Bezahlverfahren im Internet

aus www.iwiki.de, der freien Wissensdatenbank

Bezahlverfahren im Internet sollen sowohl dem Verbraucher, als auch dem Online-Händler einen einfachen, bequemen und sicheren Weg bei der Abwicklung von elektronischen Bezahlvorgängen gewährleisten. Neben klassischen Bezahlarten wie der Rechnung, Überweisungs- oder Lastschriftverfahren, setzen sich nun auch immer mehr elektronische Zahlungssysteme wie Email-basierte Zahlungsmöglichkeiten oder mobile Verfahren im elektronischen Handel durch.

Inhaltsverzeichnis

Anforderungen an Bezahlverfahren

Der klassische Ablauf eines Einkaufs, bei dem der Kunde im Laden die Ware aussucht und an der Kasse (Point of Sale) bezahlt findet im eCommerce nicht mehr statt. Bei einem Einkauf im Internet stehen sich Käufer und Verkäufer nicht „physisch“ einander gegenüber. Allein aufgrund dieses Problems zeichnen sich auf beiden Seiten gerade beim heiklen Thema „Bezahlung“ teils gemeinsame, teils unterschiedliche Anforderungen ab, die an Bezahlverfahren im Internet gestellt werden.

Aus Sicht der Käufer sollte ein Internet-Bezahlsystem vor allem sicher, einfach zu bedienen und kostenlos sein. Hinzu kommen Anonymität, keine komplizierten Anmeldevorgänge bzw. Softwareinstallationen oder gar die Anschaffung von zusätzlich benötigter Hardware.

Dem stehen die Anforderungen der Online-Händler gegenüber, welche ihr Hauptaugenmerk auf Datensicherheit, Vertraulichkeit, Authentifizierbarkeit und die Verbreitung des Systems beim Kunden legen. Zusätzlich sollen die Handhabung und Betreuung (Usability) sowohl für den Kunden, als auch für den Systembetreuer einfach sein und Zahlungsausfälle so gut wie möglich minimiert werden.

Unterscheidungskriterien

Aufgrund der rasanten Entwicklung des Internets, hat die Bedeutung des elektronischen Handels in den letzten Jahren sehr stark zugenommen und damit auch die Entwicklung vieler neuer Bezahlverfahren. Die meisten dieser Verfahren bauen dabei auf den etablierten klassischen Zahlungsmethoden - der Überweisung, der Rechnung oder der Lastschrift – auf. Für welches Bezahlverfahren sich ein Kunde (für die Bezahlung) oder Händler (für den Einsatz im Online-Shop) entscheidet hängt aber nicht nur von den jeweils bevorzugten Anforderungen ab, denn die einzelnen Systeme lassen sich zusätzlich noch nach verschiedenen Kriterien einteilen, die für die Auswahl wichtig sein können:

  • Transaktionshöhe
Hierbei teilt man die Höhe des zu zahlenden Betrags in die 3 Bereiche Picopayments (Kleinstbeträge, kleiner als 1 Cent bis höchstens 5 Cent), Micropayments (ab 5 Cent bis 5 Euro) und Macropayments (Beträge, höher als 5 Euro) auf.
  • Zahlungszeitpunkt
Die sogenannten Pre-Paid, Pay-Now und Pay-Later-Systeme beziehen sich jeweils auf den Zahlungszeitpunkt, bezogen auf die Warenlieferung, also auf die Zahlung vor- bei- oder nach Auslieferung der Ware.
  • Nutzungshäufigkeit und Benutzerkreis (Stammkunde, Abonnent)
  • Kontogebundene und kontoungebundene Verfahren
  • Akzeptanz (regional und international)
  • Online- und Offline-Verfahren

Bezahlverfahren – Ein Überblick

Einen groben Überblick über die bisher gängigsten Bezahlverfahren gibt die folgende Grafik, welche die klassischen Varianten und die daraus abgeleiteten Systeme aufzeigt.


Quelle: E-Government Handbuch: Sichere Zahlungsverfahren für E-Government

Klassische Bezahlverfahren

Übersicht

Verfahren Transaktionshöhe Zahlungszeitpunkt Anonymität Verbreitung Sicherheit
Lastschrift Micro-/Macropayments Pay-Now Nein hoch gering
Nachnahme Micro-/Macropayments Pay-Now Nein hoch mittel
Rechnung Micro-/Macropayments Pay-Later Nein hoch mittel
Überweisung Micro-/Macropayments Pre-Paid Nein hoch hoch

Lastschriftverfahren

Das Bezahlen per Lastschrift zählt, laut einer Umfrage des Bundesverbandes Informationswirtschaft Telekommunikation und neue Medien (Quelle: Bitkom), zum beliebtesten Bezahlverfahren aus Sicht der Online-Kunden.
Beim Lastschriftverfahren werden die Bankdaten vom Käufer (Name, Bankleitzahl, Kontonummer) dem Händler übermittelt und diesem das Abbuchen des Geldbetrages genehmigt (Einzugsermächtigung). Der Bezahlvorgang wird damit nicht vom Käufer, sondern vom Zahlungsempfänger bzw. dessen Bank ausgelöst.
Das problematische bei der Lastschrift ist, dass der Käufer eine Abbuchung sehr leicht (innerhalb von 6 Wochen) rückgängig machen kann, da dieser sich beim Kauf normalerweise nicht authentifizieren muss. Eine Zahlungsverbindlichkeit auf diesem Wege rückgängig zu machen – meist durch Abstreiten des Kaufes oder dem Vorwurf des Missbrauchs von Dritten – ist schon häufig vorgekommen und lässt Online-Händler oft vom klassischen Lastschriftverfahren zurückschrecken.

Nachnahme

Das Bezahlen per Nachnahme sichert durch den gleichzeitigen Austausch der Ware und der Zahlung den Händler ebenso ab wie den Käufer. Bei diesem Verfahren wird die bestellte Ware direkt von einem Zustelldienst an die Haustür gebracht und muss bei der Übergabe sofort bezahlt werden.
Dadurch ist der Käufer allerdings gezwungen, zum Einen bei der Lieferung vor Ort zu sein, um die Ware entgegenzunehmen, zum Anderen muss er den Geldbetrag in bar vorhalten und eine zusätzliche Nachnahmegebühr aufbringen. Zudem ist das Nachnahme-Verfahren nicht einsetzbar für digitale Güter wie Software oder Dienstleistungen elektronischer Marktplätze.

Rechnung

Auch die konventionelle Rechnung erfreut sich großer Beliebtheit bei Online-Einkäufern. Hierbei ist der große Vorteil für den Kunden, dass er die bestellte Ware vor der Bezahlung testen und auf Mängel überprüfen kann.
Für den Händler allerdings lohnt sich das Verfahren nur bei einer großen Stammkundschaft, da er dann meist eine reibungslose Zahlungsabwicklung erwarten kann. Ansonsten ist das Verfahren für den Verkäufer mit Risiken verbunden, da er eine Vorleistung erbringen, die Zahlungseingänge überwachen und sich teilweise auch mit dem Mahnwesen auseinandersetzten muss.

Überweisung

Ein beim Nutzer weniger, beim Verkäufer dafür umso beliebteres Verfahren ist die Bezahlung per Überweisung. Das einfache Prinzip zwingt den Käufer die Ware im Voraus zu bezahlen (Vorkasse). Erst nach bestätigtem Zahlungseingang bekommt dieser die Ware vom Händler geliefert.
Der Verkäufer muss dabei zwar stets die Zahlungseingänge der Kunden überwachen, kann dafür aber auf teure Mahnverfahren verzichten und hat keine Warenverluste zu verbuchen.
Der Kunde hingegen kann sich bei Vorauszahlung (vor allem bei weniger bekannten oder gar dubiosen Online-Shops) nie sicher sein, ob die bestellte Ware nach der Bezahlung auch wirklich geliefert wird.

Abgeleitete Bezahlverfahren

Schon bei den klassischen Bezahlverfahren Vorkasse und Rechnung, greifen die meisten Benutzer die im Internet einkaufen bereits auch auf ein Online-Verfahren zurück, dem Home-Banking. So werden mittlerweile Rechnungen oder Vorauszahlungen häufiger per Online-Überweisung beglichen, als auf die herkömmliche Art und Weise in der Bank. Allerdings haben sich in den letzten Jahren immer mehr neuartige Zahlungssysteme aus den bekannten Verfahren heraus entwickelt um dem Kunden die Bezahlung im WWW noch einfacher und bequemer zu gestalten, die sogenannten ePayment-Systeme. Die nachfolgend vorgestellten Verfahren stellen eine Auswahl der zur Zeit bekanntesten bzw. gängigsten ePayment-Systeme dar.

Übersicht

Verfahren Transaktionshöhe Zahlungszeitpunkt Anonymität Verbreitung Sicherheit
Wertkarte Micropayments Pre-Paid Ja gering hoch
Kreditkarte Micro-/Macropayments Pay-Later Ja hoch mittel
Inkasso/Billing Pico-/Micropayments Pay-Later Ja gering mittel
Mobile Payments Micropayments Pay-Now Ja gering hoch
E-Mail Micro-/Macropayments Pre-Paid Ja hoch mittel

Wertkarten-Verfahren

Wertkarten sind nichtwiederaufladbare Pre-Paid Karten zum Einkaufen im Internet. Der Kunde hat die Möglichkeit entweder in zahlreichen Online-Shops, beim Anbieter direkt oder an verschiedenen Verkaufsstellen (Tankstellen, Kiosken, Automaten) die Karte zu erwerben. Dabei kann er zwischen unterschiedlich hohen Kartenbeträgen (je nach Anbieter zwischen 10 und 100 Euro) wählen.
Die Wertkarte zeichnet sich dadurch aus, dass der Konsument mit der Karte ohne die Angabe jeglicher persönlicher Daten anonym einkaufen kann. Zusätzlich haben auch Jugendliche unter 18 Jahren die Möglichkeit eine Karte zu erwerben, welche allerdings für nicht jugendfreie Inhalte gesperrt ist.
Problematisch wird es bei diesem Verfahren, wenn es darum geht größere Summen zu bezahlen, da man beim Einkauf auf das Kartenguthaben beschränkt ist. Es besteht zwar die Möglichkeit, bis zu 10 Karten beim Kauf zu kombinieren, allerdings macht das Wertkarten-basierte Verfahren hauptsächlich im Micropayment-Bereich Sinn.
Hat ein Kunde eine Karte erworben, läuft der Bezahlvorgang völlig unkompliziert ab. Der Käufer muss einen auf der Karte abgedruckten 16-stelligen Code „freirubbeln“ und diesen im Browser eingeben. Anschließend wird das Kartenguthaben überprüft und der Kaufpreis vom Kartenguthaben abgezogen.
Die momentan bekanntesten Vertreter derartiger Wertkarten sind:

  • Paysafecard: Der Kunde hat die Auswahl zwischen Kartenbeträgen von 10, 25, 50 und 100 Euro, bei ca. 45 000 Verkaufsstellen und über 2000 Webshop-Partnern.
  • T-Pay MicroMoney: Der Kunde hat die Auswahl zwischen 15, 30 und 50 Euro-Karten, bei über 50.000 Verkaufsstellen.

Kreditkarten-Verfahren

Die Kreditkarte ist ein weltweit anerkanntes und häufig genutztes Mittel für die Bezahlung im Internet. Allerdings herrscht beim Konsumenten nach wie vor große Angst wegen der angeblich fehlenden Sicherheit bei diesem Verfahren.
Die Kartengesellschaften haben sich dieses Problems angenommen und mittlerweile – gerade für Online-Transaktionen – gute Sicherheitsmechanismen entwickelt um dem häufigen Missbrauch vorzubeugen. Bei der Abwicklung einer Transaktion reicht für gewöhnlich die Eingabe der Kreditkartendaten (Kartennummer, Laufzeitende) aus. Hier setzen nun die unterschiedlichen Sicherheitsverfahren an.
Für eine sichere Datenübertragung kommt standardmäßig das kryptographische System SSL (Secure Socket Layer) zum Einsatz.
Für die Authentifizierung wurde neben dem komplexen SET-Protokoll (Secure Electronic Transaction) das 3-D-Secure Protokoll „MasterCard SecureCode“ (analog Verified by Visa) entwickelt, bei dem sich der Kunde mit einer zusätzlichen PIN authentifizieren muss.
Die 4 bekanntesten Kreditkartengesellschaften sind VISA, MasterCard, American Express oder Diners Club.

Inkasso- und Billingsysteme

Bei Inkasso- und Billingverfahren werden, ähnlich wie bei der Telefonrechnung, niedrige Einzelbeträge aufsummiert und dem Kunden regelmäßig in Rechnung gestellt. Dabei werden die Beträge entweder zu einem bestimmten Termin oder bis zum Erreichen eines Mindestbetrags (Billing) zusammengefasst. Die Bezahlung erfolgt dann meist über klassische Zahlungsverfahren.
Der Einsatz erweist sich nur bei kleinen Zahlbeträgen (im Pico- und Micropayment-Bereich) und festem Vertragspartner als sinnvoll, da man auf diese Weise die abgerechneten Leistungen leicht nachvollziehen kann. Digitale Güter, wie Artikel/Inhalte aus Webseiten, Musikdateien oder Videos lassen sich auf diese Art bequem abrechnen.
Zwei bekannte eingesetzte Verfahren sind NET900 oder MoreCon, welche nach einem Dialer-Prinzip arbeiten. Nach der Installation einer kostenlosen Software und erfolgreicher Registrierung kann der Kunde gebührenpflichtige Dienste in Anspruch nehmen. Dabei wird die aktuelle Verbindung auf eine kostenpflichtige Telefonverbindung umgeleitet (z.B. 0190- oder 0900-Nummern) und die Dienste entweder „Pay per call“ oder „Pay per minute“ über die normale Telefonrechnung abgerechnet.
Ein weiteres, führendes Billing-Zahlungssystem ist ClickandBuy. Dieses rein internetbasierte Zahlungssystem, bietet dem Nutzer nach einmaliger kostenloser Anmeldung die Möglichkeit, per Mausklick sofort auf alle tarifierten Inhalte, Services und Produkte eines Web-Angebots zuzugreifen. Besucht man eine Webseite die ClickandBuy unterstützt, loggt man sich mit seinem Account dort ein. Beim Klicken auf einen ClickandBuy-Link erscheint dann im Browser ein Zwischenfenster, bei dem der Inhalt des Links und Preisinformationen angezeigt werden. Erst wenn der Nutzer auf einen weiterführenden Link klickt, wird der Abruf dem persönlichen Account berechnet. Die angefallenen Beträge werden anschließend nicht einzeln abgerechnet, sondern in Summe monatlich vom Konto des Benutzers eingezogen.
Die ClickandBuy-Technologie nutzen unter anderem die Stiftung Warentest, RTL oder die Deutsche Post.

Mobiltelefon-basierte Verfahren

Mobiltelefon-basierte Verfahren, besser Mobile-Payment-Verfahren (mPayment) nutzen das Mobiltelefon oder mobile Endgeräte zur Übertragung von Buchungs- und Bezahlinformationen. Diese Verfahren gelten als äußerst sicher, da bei einem Bezahlvorgang keine sensiblen Daten über das Internet verschickt werden müssen, sondern direkt per Anruf, SMS oder Tonwahlverfahren übertragen werden können. Gleichzeitig dient dabei das Handy zur Authentifizierung des Benutzers.
Der Vorteil gegenüber anderen Bezahlsystemen besteht beim mPayment darin, dass der Handybesitzer nicht nur im Internet, sondern auch auf mobilen WAP/UMTS-Portalen einkaufen, Überweisungen tätigen oder sogar einen Pizzalieferservice direkt am Kaufort (realen Point of Sale) bezahlen kann.
Da die Zahl der Handynutzer täglich steigt und alleine in Deutschland bereits über 70 Prozent der Bevölkerung ein Mobiltelefon besitzt, wundert es nicht, dass Mobilfunkbetreiber und andere Anbieter zahlreiche mPayment-Lösungen ihren Kunden anbieten.
Teils mit, teils ohne Anmeldung, ähneln sich die Verfahren bei der Abwicklung. Nach einer Produktauswahl im Online-Shop wird ein Bezahlcode an die angegebene Handynummer geschickt. Dieser muss anschließend im Browserfenster eingegeben werden und autorisiert auf diese Weise den Bezahlvorgang. Die Beträge können per Lastschrift oder über die Handyrechnung vom Konto des Kunden abgebucht werden. (Beispielverfahren LUUPAY)
Worunter die mobilen Bezahlverfahren bisher leiden, ist eine noch zu komplizierte und besonders für Händler zu teure Abwicklung. Diese müssen neben Lizenz- und Servicegebühren auch hohe Provisionen an die Betreiber zahlen, was zur Folge hat, dass die Verfahren mangels Akzeptanz und Popularität bis jetzt noch keinen richtigen Durchbruch schafften.
Dennoch wurde im September 2007 vom US-Patentamt ein Patentantrag von Google veröffentlicht, der ein mobiles Bezahlsystem namens „Gpay“ (siehe Abb.) beschreibt. Gpay soll eine einfache Bezahlung von Waren per SMS ermöglichen. Diese Technik ist zwar bereits bekannt, allerdings lässt Google bis jetzt die Frage offen, ob Gpay ein kostenpflichtiger Dienst wird oder nicht.

Die Abbildung zeigt einen Entwurf des von Google patentierten Systems Gpay (Quelle: Heise Online )

Email-basierte Verfahren

Bei Email-basierten Verfahren wird die E-Mail-Adresse des Benutzers zur Identifikation und zur Übertragung von Buchungsinformationen genutzt. Voraussetzung dabei ist, dass sowohl der Zahlungssender, als auch der Zahlungsempfänger beim Dienstanbieter registriert ist. Bei der Registrierung wird für jede E-Mail-Adresse ein spezielles Konto (man könnte auch die E-Mail-Adresse als „Kontonummer“ betrachten) angelegt um Transaktionen so jederzeit eindeutig einem Nutzer zuordnen zu können.
Das Herausragende an diesen Verfahren ist, dass man für eine Überweisung erstens nur die Email-Adresse des Empfängers benötigt und zweitens die Beträge in Echtzeit sofort auf dessen Konto verfügbar sind. Das eingerichtete Konto kann man herkömmlich per Überweisung, Lastschriftverfahren oder Kreditkartenzahlung auffüllen.
Der bekannteste Vertreter dieses Verfahrens ist heutzutage die eBay-Tochter PayPal. PayPal verwaltet derzeit etwa 153 Millionen Mitgliedskonten in 106 Nationen und ist somit zum größten Online-Zahlungsdienstleister geworden. PayPal’s Bekanntheit ist auf eBay und den über eBay angebotenen Käuferschutz zurückzuführen, der dem Käufer (bei Kaufbeträgen bis 500 Euro) bei nicht erhaltener oder mangelhafter Ware den Kaufpreis zurückerstattet.
PayPal-Kunden können mit nur wenigen Klicks die Bezahlung sofort und weltweit durchführen und dadurch auf eine schnellere Lieferung der Ware hoffen, zudem ist der Service völlig kostenlos.
PayPal-Händler haben, neben dem sofortigen Zahlungseingang, die Möglichkeit eines weltweiten Handels mit starker Kundenbindung und stetig wachsendem Kundenstamm.

Aber trotz der Beliebtheit von PayPal oder anderen E-Mail-Verfahren wie Moneybookers (mit derzeit 3,5 Millionen Nutzern) stehen diese Systeme auch stark in der Kritik. Zahlreiche Betrugsfälle durch gehackte Nutzer-Accounts sorgen für Unruhe. Dabei sind sowohl Käufer, als auch Verkäufer die Leidtragenden. Eine erst im September 2007 entdeckte Sicherheitslücke bei PayPal nutzten Cyberkriminelle um wochenlang Email-Adressen und eBay-Kundendaten auszuspähen (Quelle: ZDF Heute).
Auch „dubiose“ Geschäftsbedingungen rücken in den Vordergrund, bei denen sich zum Beispiel PayPal das Recht vorbehält, Nutzerkonten jederzeit nach eigenem Ermessen zu schließen (Quelle: AGB PayPal, Absatz 10.3) und somit dem Benutzer den Zugang zu seinem Geld zu versperren. Überhäufter E-Mail-Verkehr, Phishing-Mail-Attacken oder die Weitergabe von persönlichen Daten zu Marketingzwecken sind weitere Gefahren, die dem Kunden vor einer Anmeldung bewusst sein sollten.

Grenzen und Perspektiven

Betrachtet man rückblickend die Entwicklung elektronischer Bezahlverfahren, so gab es schon viele Systeme (z.B. Paybox), die den hohen Anforderungen ihrer Benutzer nicht gewachsen waren und schnell wieder von der Bildfläche verschwanden. Aber warum? Komplexität, mangelnde Popularität oder unzureichende Sicherheit und zu hohe Kosten sind nur einige Gründe die darauf eine Antwort geben können.
Eine Online-Umfrage der Universität Karlsruhe aus dem Jahr 2006 (Quelle: IZV8) belegt, dass sich nach wie vor 39% aller Online-Shopper unsicher fühlen beim Einkauf im Internet. Dies liegt zum Einen daran, dass der Kunde ungern sensible Daten im Netzt preisgeben will. Trotz neuartiger Verschlüsselungstechniken, digitaler Signaturen oder Sicherheitszertifikaten, kann kein einziges Bezahlverfahren dem Kunden eine hundertprozentige Sicherheit garantieren. Ausserdem neigt der Verbraucher dazu, die klassischen Bezahlarten, den innovativen vorzuziehen, denn mit diesen setzt er sich alltäglich auseinander.
Ein weiteres Argument ist die Einschränkung einiger Verfahren in Bezug auf das Einsatzgebiet. So sollte ein elektronisches Bezahlverfahren, wenn es im „World Wide Web“ eingesetzt wird auch möglichst weltweit nutzbar sein und sich nicht auf nationale oder kontinentale Ebene beschränken. Denn weltweiter Einsatz bedeutet auch weltweite Kundschaft.

Die Liste der Kriterien und Anforderungen an Bezahlverfahren ist lang und es wird auch in Zukunft kaum möglich sein, ein Verfahren zu entwickeln, das gleichzeitig den Anforderungen der Kunden und denen der Händler entsprechen wird.
Wagt man dennoch einen Blick voraus, ist zu erwarten, dass mobile Zahlungen eine bedeutende Zahlungsform werden können. Diese sind flexibel einsetzbar, da sie sowohl für den herkömmlichen Einkauf im Geschäft (Point of Sale), als auch für den eCommerce und mCommerce geeignet sind. Die weltweite Verbreitung von Mobiltelefonen ist dabei ein wesentlicher Einflussfaktor. Die hohe Marktdurchdringung und vor allem die Tatsache, dass jedes Handy mit einem Chip (SIM-Karte) ausgestattet ist, machen das Handy für Zahlungssysteme noch interessanter, da sich der Chip gleichzeitig zur Wertspeicherung (also zur Speicherung von Geldbeträgen), Autorisierung und Identifikation einsetzen lässt. Das Handy steuert dabei die Kommunikation. Anders als zum Beispiel bei der bekannten EC-Karte mit Chip, würde bei einem Mobiltelefon weder ein Chipkartenleser noch sonstige Hardware für Bezahlvorgänge benötigt.
Gespannt bleibt deshalb zu erwarten, was zum Beispiel Google mit Gpay auf den Markt bringen wird und vielleicht schon bald neben dem Begriff „googeln“ eine weitere Wortschöpfung wie „Gpayen“ den Duden erweitern wird.

Weblinks

Quellen

Literatur:

  • Ketterer/Stroborn: Handbuch ePayment - Zahlungsverkehr im Internet ISBN 387156463X
  • Georg Kristoferitsch: Digital Money, Electronic Cash, Smart Cards ISBN 3706404214
  • Teichmann/Nonnenmacher/Henkel: E-Commerce und E-Payment ISBN 3409118055

Web:

Alexander Gillich