Folksonomy
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Folksonomy beschreibt eine Art der gemeinschaftlichen Indexierung bzw. Kategorisieren bei der eine Gruppe von Menschen, mithilfe von Sozialer Software, Webseiten, Weblinks, Lesezeichen, Blogeinträge oder Fotos so genannte tags zuordnet. Detaillierte Regeln der Indexierung gibt es dabei in der Regel nicht. Vielmehr geht man davon aus, dass sich die Vielzahl der Nutzer, die bestimmte Inhalte indexieren, auf sinnvolle und schlüssige Zuordnungen einigen, so dass am Ende ein Schlagwortsystem entsteht. Dieses Phänomen bezeichnet man im Englischen mit "wisdom of the crowds".
Websites wie Flickr, del.icio.us und 43things werden dem "Social Computing" zugerechnet. Da das Publizieren von Fotos, Links oder persönlichen Wünschen und Verknüpfung der Daten aller Nutzer miteinander entsteht ein sog. "Semantisches Netz".
Im Gegensatz zu "Social Software", das nur Anwendungen bezeichnet, steht "Social Computing" für das gemeinsame Erarbeiten von (persönlicher) Information sowie deren Austausch.
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Entstehung und Ursprung
Das Wort Folksonomy ist eine Wortneuschöpfung aus den englischen Begriffen folk für "Volk" und taxonomy (Taxonomie, Klassifikation). Taxonomie wiederum setzt sich zusammen aus dem griechischen taxis für "Ordnung" und nomos für "Verwaltung, Management". Zusammengesetzt bedeutet Folksonomy "gemeinschaftliches Indexieren".
Die Entstehung des Wortes Folksonomy wird auf Thomas Vander Wal zurückgeführt. Angewandt wurde das Prinzip zum ersten Mal im Jahre 2003 auf der Website del.icio.us.
Tags
Defintion
"Tag" kann in diesem Zusammenhang als "Schlüsselwort" übersetzt werden. Es stellt eine Kategorisierung von Objekten dar. Der Tag indexiert das jeweilige Objekt und beschleunigt so eine Suche nach diesem. Organisationssysteme, die auf Tags beruhen, finden sich u. a. b bei flickr.com (Tagging von Fotos) und del.icio.us (Tagging von Bookmarks). Tags sind untereinander nicht hierarchisch geordnet, d.h. es gibt keine Vater-Kind-Beziehungen. Bekannt sind Tags seit längerer Zeit als Metadaten von mp3-Dateien. Hier speichern sie unter anderem Titel oder Interpret. Auch hier dienen Tags dazu, eine Suche zu vereinfachen und zu beschleunigen. Die Wortgebung steht dem Nutzer, d.h. Autor völlig frei: er kann bereits verwendete Tags nutzen, diese ergänzen oder bearbeiten und neue hinzufügen. Jedes einzelne Wort entspricht einem Tag; wenn also beispielsweise Bilder des letzten Urlaubs mit Tags gekennzeichnet werden sollen, so kann dieser "Sommerurlaub_2006" lauten. Eine andere Möglichkeit ist das Zusammensetzen von Wörtern mit "". Zu einem Objekt können so viele Tags angelegt werden, wie es der Nutzer für richtig hält ("Urlaub", "Sommer", "2006"). Die nützlichsten Tags sind jene, denen alle User (die Gesellschaft beziehungsweise Zielgruppe) dieselbe inhaltliche Bedeutung beimessen.
tag clouds
Um sich einen Überblick über Tags zu verschaffen, gibt es sog. "tag clouds". Hierbei handelt es sich um eine Ansammlung von Tags (kategorisiert z. B. nach Popularität, Nutzer, Datum), bei denen die Schriftgröße des einzelnen Tags für seine Nutzungshäufigkeit steht. Die tag cloud ordnet (wie der Name schon sagt) die Tags in einer Wolke. Diese Ordnung ist alphabetisch oder nach Nutzungshäufigkeit und in keiner Weise hierarchisch.
Stärken
- Browsing
- Will man nicht mittels des Suchfensters nach einem bestimmten Begriff suchen, hat man die Möglichkeit, sich durch die miteinander verbundenen Tags zu klicken. Einen Einstieg findet man z. B. über die populärsten Tags. Da ein Bild mehrere Tags haben kann, ist es möglich, sich von diesem einen Bild aus "durchzuhangeln" zu anderen Tags, die man sich sonst nie angesehen hätte.
- Bildung von "Trampelpfaden"
- Tags geben auch den Nutzern die Möglichkeit, das Internet nach Ihren Vorstellungen zu kategorisieren. Dadurch entstehen neue Sichtweisen auf das Netz, die sich von denen der Webseitenbetreiber und Autoren unterscheiden: es kommen andere Begriffe und Schreibweisen ins Spiel. An diesen neuen Verbindungen und Sichten können sich wiederum Autoren orientieren.
- Anpassungsfähigkeit
- Durch die nicht vorhandene Kontrolle "von oben" reagieren Folksonomies sehr dynamisch auf Veränderungen in der Sprache, Technik oder sonstigen Gegebenheiten, da sich ein Nutzer, der einen Tag anlegt, meist vom aktuellen Zeitgeist leiten lässt. Auch wenn er alte Tags nicht löscht, so genügt es doch, neue hinzuzufügen oder bei neuen Objekten eben diese Tags zu verwenden.
Schwächen
- Mangelnde Erfahrung
- Zurzeit ist wenig darüber bekannt, nach welchen Kriterien ein Nutzer den bzw. die Tags auswählt, die er vergibt.
- Versteckte Bedeutungen
- Der Nutzer kann in den Tags unbewusst eine Bedeutung verstecken, die zwar er dem Objekt beimisst, die sich aber anderen Nutzern nicht erschließt. Für einen Fremden wäre es nicht möglich, sich bei der Suche nach diesem Objekt am Tag zu orientieren, da ihm dieser Tag gar nicht erst in den Sinn kommen würde. Daher wird kein Nutzer den verwendeten Tag eingeben, auch wenn er nach diesem bestimmten Objekt sucht.
- Mehrdeutigkeit
- Einerseits verwendet ein Nutzer evtl. ein Wort als Tag, das zwar zutrifft, aber Anderen bei ihrer Suche nicht eingefallen wäre (Synonym). Andererseits kann ein er einem Bild oder Bookmark einen Tag zuweisen, der gleichzeitig auch etwas ganz Anderes bedeutet (Homonym) wie "Bank" oder "sieben".
- Abkürzungen
- Für viele Abkürzungen existieren unterschiedliche Bedeutungen aus verschiedensten Gebieten (DDR)
- zu verwendende Sprache nicht festgelegt
- Die vorgestelten Seiten (wie flickr.com und del.icio.us) entstammen zwar dem englischen Sprachraum, aber es existieren absichtlich keine Regeln bezüglich der beim Tagging zu verwendenden Sprache. Dies kann insbesondere bei Abkürzungen zu Verwechslungen führen (ATX: zum einen aus der Computertechnik, zum anderen als Aktienindex "Austrian Traded Index").
Funktionsweisen
Die Funktionsweisen von Folksonomies lassen sich in "broad" und "narrow" unterscheiden.
"Broad"-Folksonomies wie del.icio.us kennzeichnen sich dadurch aus, dass viele Nutzer ein bestimmtes Objekt beschreiben. So wird beispielsweise eine Website von vielen Nutzern mit den verschiedensten Tags kategorisiert. Dabei verwendet jeder Nutzer sein Vokabular. Die unterschiedlichsten Blickwinkel auf ein bestimmtes Objekt werden dadurch sichtbar.
Im Gegensatz dazu kennzeichnen sich "narrow"-Folksonomies wie flickr dadurch aus, dass nur ein oder wenige Nutzer ein bestimmtes Objekt beschreiben. Meist beschreibt der Ersteller das Objekt selbst. Diese Eigenschaft führt dazu, dass bei "narrow"-Folksonomies in der Regel weniger Tags vergeben werden als bei den "broad"-Folksonomies. "Narrow"-Folksonomies bieten Vorteile wenn es darum geht, Objekte (wie z.B. Fotos), die sich nur schwer mithilfe von Text beschreiben und suchen lassen, wieder zu finden.
Folksonomy Plattformen
- del.icio.us (http://del.icio.us) ist eine Social-Bookmarking Plattform die es ermöglicht, einen Link auf eine Website mit Angabe von Tags zu speichern. Diese Funktion ersetzt die Favoriten im Browser und bietet den Vorteil, dass man seine Favoriten von jedem PC aus zur Verfügung hat.
- Flickr (http://www.flickr.com) ist eine Plattform um Fotos zu speichern und zu organisieren. Man kann dort seine eigenen Alben erstellen, diese mit Fotos füllen, anschließend mit Tags versehen und anderen zur Verfügung stellen.
- 43things (http://www.43things.com) ist eine riesige, globale To-Do-Liste. Dort kann ein Nutzer all die Dinge, die er schon immer mal erledigen wollte (z.B. einen Fallschirmsprung wagen oder ein Buch schreiben) eintragen und vergleichen, welche anderen Benutzer dieselben To-Dos auf ihrer Liste stehen haben. Die Benutzer ermutigen sich gegenseitig ihre To-Dos zu erledigen. Auch hier hat man die Möglichkeit seine To-Dos anhand von Tags zu kategorisieren (Beispiel: privat, beruflich, ...).
- Technorati (http://www.technorati.com) ermöglicht es dem Benutzer, Blogs anhand von Schlüsselwörtern zu durchsuchen. Technorati bietet zudem die Möglichkeit Schlüsselwörter zu abonnieren. Dies ermöglicht einen Überblick über neue Beiträge, die mit einem bestimmten Tag versehen wurden.
Folksonomies und WEB 2.0
Der Begriff "Web 2.0" steht an sich nicht für einen technischen Standard, sondern eine Neuorientierung des Internets weg von Websites mit statischen Inhalt (der von einem Autor gepflegt und von vielen Nutzern gelesen wird) hin zu dynamischen Sites, die veränderbar und verlinkbar sind. In diesem Zusammenhang sind auch Folksonomies zu sehen, da sie es dem Benutzer ermöglichen, selbst Inhalte zu erzeugen (Kategorisierung durch Tags), diese zu kombinieren und pflegen; Strukturen werden nicht mehr vorgegeben, sondern von den Benutzern selbst angelegt.
Folksonomies und eCommerce
Es ist davon auszugehen, dass häufig getaggte Seiten auch häufiger von anderen Nutzern besucht werden. Dies erhöht einerseits die Relevanz der Seite in Bezug auf Onlinewerbung( vgl. Google AdSense) und steigert andererseits die Popularität der Seite (wichtig bei Online-Shops, die ihren Umsatz dadurch steigern können, dass über favorisierte Produkte geschrieben wird bzw. diese "getaggt" werden).
Einen weiteren Aspekt verdeutlicht die Übernahme Flickrs durch Yahoo!: nach Angaben von Yahoo! sei der Grund für die Übernahme Flickrs das Interesse an der Technologie gewesen, die die eigene Suchtechnik verbessern soll (Quelle). Flickr war darüber hinaus angeblich bereits vor der Übernahme durch Yahoo! profitabel, indem es kostenpflichtige "Pro"-Zugänge (derzeit 24,95 $ / Jahr) anbot. Seit November 2006 bietet flickr.com zudem ein neues Feature: User können sich statistisch auswerten lassen, wieviele Bilder mit welchem Kameratyp gemacht wurden. Auf Wunsch kann man sich nähere Informationen zu der jeweiligen Kamera anzeigen lassen: auf den Seiten von Yahoo! Shopping.
Vorteile / Chancen
- Neue Art der Datenablage und Datensuche
Folksonomies bzw. das Taggen stellt eine völlig neue Art der Datenablage und Datensuche dar. Im Gegensatz zur herkömmlichen Methode (Bsp. Windows Explorer), Daten in einer hierarchischen Struktur abzulegen, werden die Daten in Folksonomies mit Tags versehen. Je mehr Tags für ein Objekt vergeben werden, desto genauer ist später die Suche möglich.
- Zeitersparnis bei der Datenablage und Datensuche
Beim Ablegen von Daten in einer hierarchischen Struktur muss man sich zunächst einige Schlüsselwörter überlegen, mit denen man die Daten (gedanklich) verknüpft. Anschließend bildet man daraus einen Dateinamen und überlegt sich, in welchem Ordner bzw. Unterorder man die Daten am besten ablegt, um sie später wieder finden zu können.
Beim Ablegen von Daten mithilfe von Folksonomies ist mit der Wahl der Schlüsselwörter fast schon alles getan. Man muss diese nur noch als Tag zuordnen. So spart man Zeit nicht nur beim Ablegen sondern auch beim Suchen von Daten.
- Spiegelt Benutzerbedürfnisse wider
Die Benutzer von Folksonomy-Platformen taggen den Inhalt, der für sie am bedeutendsten ist. Jedes Objekt, das durch einen Benutzer getagged wurde, stellt folglich eines seiner Bedürfnisse dar.
- Zeigt Zusammenhänge zwischen Themen
Folksonomies zeigen Zusammenhänge zwischen den unterschiedlichsten Themengebieten. So hat man die Möglichkeit zu sehen, welche Tags ein bestimmter Benutzer, der ein bestimmtes Objekt getagged hat, noch vergeben hat. Beispiel: Ein Benutzer, der sich für Suchmaschinenoptimierung interessiert, interessiert sich auch für Web Usability.
Nachteile / Risiken
- Geringe Granularität durch fehlende Hierarchie
Folksonomies sind "flache" Systeme (keine Eltern-Kind-Beziehungen), bei denen alle Tags auf derselben Ebene stehen. Durch die fehlende Hierarchie geht Granularität verloren. Es ist nicht möglich, Inhalte in Kategorien und Subkategorien einzuordnen und zu suchen.
- "Basic Level" Problem
Ähnlich dem Problem der Mehrdeutigkeit von Wörtern, verhält es sich mit dem "Basic Level" Problem. Hier sind sich die Benutzer uneinig darüber, welches Wort das richtige auf "oberster Ebene" ist. Beispiel: "MySQL" oder "Database", "Java" oder "Programmieren".
- Tag-Spam
Tag-Spam bedeutet, dass sämtliche Inhalte mit allen erdenklichen Tags versehen wird. Nachdem es keine Kontrollinstanz gibt und jeder Nutzer die Möglichkeit hat, Inhalte zu taggen, wird es irgendwann Nutzer geben, die ihre eigene Seite durch möglichst viele Tags in ein besseres Licht zu rücken versuchen. Je mehr Nutzer sich dieses Verhalten aneignen, desto unbrauchbarer werden die Ergebnisse einer Suche.
Literatur
- Alby, Tom. 2007. Web 2.0. München: Hanser Verlag: Web 2.0 ISBN 978-3-446-40931-6
Weblinks
- Artikel auf heute.de
- http://del.icio.us
- http://www.tagthat.de Open Source Bookmarking, deutsches Projekt
- Netz2.0 auf aperto
- Artikel auf De:Bug
- Artikel auf salon.com
- Wikipedia: Social Computing
Autor:
Martin Günther
