Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung
aus www.iwiki.de, der freien Wissensdatenbank
Die Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung (GoB) sind teils geschriebene, teils ungeschriebene Regeln zur Buchführung und Bilanzierung, die sich vor allem aus Wissenschaft und Praxis, der Rechtsprechung sowie Empfehlungen von Wirtschaftsverbänden ergeben.
Ihre Aufgabe ist es, Gläubiger und Unternehmenseigner vor unkorrekten Daten, Informationen und möglichen Verlusten weitestgehend zu schützen.
Inhaltsverzeichnis |
Ermittlungsverfahren
- induktiv - Herleitung aus verbreiteten und etablierten Methoden "ordentlicher und ehrenwerter Kaufleute", führt oft zu Konflikten mit der Schutzfunktion der Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung
- deduktiv - Herleitung aus den allgemeinen Zwecken der Buchführung und des Jahresabschlusses; problematisch, da die Zwecke des JA nicht im Gesetzestext aufgeführt sind
- betriebswirtschaftliche deduktive Methode - nach allgemein anerkannten, einheitlichen betriebswirtschaftlichen Zwecksystems für die Rechnungslegung.
- handelsrechtlich deduktive Methode - aus dem Gesetz abgeleitet (gesetzliche Zwecke - nicht betriebswirtschaftliche Überlegungen); gesetzentsprechender Konsens und Kompromiss über das vom Gesetzgeber intendierte Zwecksyste von Wissenschaft, Rechtsprechung und Bilanzierungspraxis.
- abgeleitete Kriterien für die Auslegung handelsrechtlicher Bilanzierungsvorschriften:
- Wortlaut und Wortsinn des Gesetzes
- Bedeutungszusammenhang des Gesetzes
- Entstehungsgeschichte des Gesetzes
- Gesetzesmaterialien und Ansichten des Gesetzgebers
- betriebswirtschaftliche Gesichtspunkte
Die hermeneutische Methode hat sich durchgesetzt und ist das gängige Verfahren zur Herleitung der Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung.
ACHTUNG! Wichtiger Hinweis: Die ab hier beschriebenen Ansätze sind Bewertungsgrundsätze nach §252 HGB! Die allgemeinen Bewertungsgrundsätze (Prinzipien) sind auch für alle Kaufleute verbindlich, sind jedoch mit den GoBs, welche da wären: Bilanzwahrheit, Bilanzklarheit, Bilanzvollständigkeit und Bilanzkontinuität nicht vollständig identisch! Daher bitte alle weiteren Ausführungen mit Bedacht lesen!
Zu den GoB gehören daher Punkte wie:
- Die Buchführung muss klar und übersichtlich sein
- Ordnungsmäßige Erfassung aller Geschäftsvorfälle
- Keine Buchung ohne Beleg
- Ordnungsmäßige Aufbewahrung der Buchführungsunterlagen.
kodifizierte GoB
Bilanzidentitätsanspruch
In der Eröffnungsbilanz müssen die Wertansätze eines Geschäftsjahres mit den angesetzten Werten der Schlussbilanz des vorhergehenden Jahres identisch sein. Damit wird die Grundvoraussetzung der Vergleichbarkeit, sowohl im Zeitablauf als auch bei verschiedenen Unternehmen zum gleichen Zeitpunkt, geschaffen. (Bilanzidentität).
Ausnahmen bildet hier die Euro-Umstellung, bei der die Schlussbestände des Vorjahres in DM und die Anfangsbestände des laufenden Jahres in Euro ausgewiesen wurden. Eine weitere Ausnahme tritt nach einer steuerlichen Betriebsprüfung auf, nach der bei Änderungen die letzte noch änderbare Bilanz angepasst werden muss, während die Vorjahresbilanz nicht mehr angetastet wird.
Die formelle Bilanzidentität fordert, daß die Form und die Gliederung der Bilanz und GuV-Rechnung beibehalten werden müssen.
Fortführungsprinzip
Grundsatz der Unternehmensfortführung (going concern-Prinzip):
Bei der Bewertung ist von der Fortführung der Unternehmenstätigkeit auszugehen, sofern dem nicht tatsächliche oder rechtliche Gegebenheiten entgegenstehen. (§ 252 Abs. 1 Nr. 2 HGB) Siehe auch: Fortführungsprinzip
Einzelbewertungsprinzip
Die Vermögensgegenstände und Schulden sind zum Abschlussstichtag einzeln zu bewerten.
Ausnahmen hierzu bilden diverse zugelassene Bewertungs-Vereinfachungen, z. B. - Verbrauchsfolgeverfahren, § 256 HGB - Gruppenbewertung, § 240 (4) HGB - Festwertbildung, § 240 (3) HGB - Pauschalwertberichtigung auf Forderungen - Pauschalrückstellung für ungewisse Verbindlichkeiten - Bewertungsfreiheit für geringwertige Wirtschaftsgüter
Deutschland: (§ 252 Abs. 1 Nr. 3 HGB)
Stichtagsprinzip
Die Vermögensgegenstände und Schulden sind zum Abschlussstichtag einzeln zu bewerten.
Deutschland: (§ 252 Abs. 1 Nr. 3 HGB)
Vorsichtsprinzip
Es ist vorsichtig zu bewerten, namentlich sind alle vorhersehbaren Risiken und Verluste, die bis zum Abschlussstichtag entstanden sind, zu berücksichtigen, selbst wenn diese erst zwischen dem Abschlussstichtag und dem Tag der Aufstellung des Jahresabschlusses bekanntgeworden sind; Gewinne sind nur zu berücksichtigen, wenn sie am Abschlussstichtag realisiert sind. (§ 252 Abs. 1 Nr. 4 HGB)
Der Grundsatz der Vorsicht ist einzuhalten, insbesondere sind
- nur die am Abschlussstichtag verwirklichten Gewinne auszuweisen,
- erkennbare Risiken und drohende Verluste, die in dem Geschäftsjahr oder einem früheren Geschäftsjahr entstanden sind, zu berücksichtigen, selbst wenn die Umstände erst zwischen dem Abschlussstichtag und dem Tag der Aufstellung des Jahresabschlusses bekannt geworden sind,
- Wertminderungen unabhängig davon zu berücksichtigen, ob das Geschäftsjahr mit einem Gewinn oder einem Verlust abschließt.
Imparitätsprinzip
Künftige Verluste aus bereits eingeleiteten Geschäften, die am Bilanzstichtag noch nicht realisiert sind, müssen erfasst werden. Verlustantizipation. Ergänzung finden sich in der Niederstwertvorschriften (§ 253 Abs. 2 und Abs. 3 HGB;
Siehe auch: Imparitätsprinzip, Niederstwertprinzip
Realisationsprinzip
Nicht realisierte Gewinne dürfen nicht erfasst oder ausgeschüttet werden. Des Weiteren sind Beschaffungsvorgänge erfolgsneutral zu erfassen. Siehe auch Anschaffungskosten- und Herstellungskostenprinzip (§ 253 Abs. 1 Satz 1 HGB) .
Siehe auch: Realisationsprinzip
Periodisierungsprinzip
Erträge der jeweiligen Periode (i.d.R. das Geschäftsjahr) müssen den entsprechenden Aufwendungen gegenübergestellt werden.
Stetigkeitsprinzip
Einmal gewählte Bewertungsmethoden müssen beibehalten werden. Dient wiederum als Basis für die Vergleichbarkeit.
Im Gegensatz zu den vorherigen Prinzipien, handelt es sich hier (im deutschen HGB) um eine Soll-Vorschrift, in begründeten Fällen darf hiervon abgewichen werden.
