IPTV - Potentialtrigger oder leerer Hype

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IPTV (englisch Internet Protocol Television, deutsch: Internet-Protokoll-Fernsehen) bezeichnet die digitale Übertragung von breitbandigen Anwendungen wie TV-Signalen über das IP-Protokoll. Im Gegensatz zu herkömmlichen Verbreitungswegen des Rundfunks, werden die Signale also nicht über Antenne, Satellit oder das TV-Kabel verteilt, sondern über das Internet. (vgl.[1]+[2])

Der IPTV-Anbieter Zattoo
Der IPTV-Anbieter Zattoo

Inhaltsverzeichnis

Technischer Hintergrund


Übertragungsverfahren

Bisherige klassische Übertragungsverfahren setzen auf eine möglichst weite Reichweite ihres Spektrums mittels Broadcast-Verfahren. Hierbei werden die gesendeten Informationen an alle im Einzugsgebiet liegenden Empfangsstationen gesendet und es wird ökonomisch sinnvoll versucht, so viele Abnehmer wie möglich zu erreichen.

Verwendete Übertragungswege und ihre Empfangsvoraussetzung:

  • Terrestrisch - Im Ausbaugebiet von DVB-T oder analoger Antenne (wo noch verfügbar)
  • Kabel – Im Ausbaugebiet regionaler Kabelnetzbetreiber
  • Satellit – flächendeckende Verfügbarkeit mittels Parabolantenne
  • Handy – unterschiedliche Übertragungsverfahren, dazu kompatibles Mobiltelefon/PDA und entsprechender Tarif beim Service-Provider


Im Gegensatz hierzu steht die Verbreitungsform des IPTV.

Hier setzt man auf ein rückkanalfähiges Medium, welches sowohl ein Massenpublikum ansprechen, als auch individuelle Ansprüche befriedigen kann, nämlich dem Internet.


Geschlossene Netze contra Internet

Voraussetzung für die Nutzung von IPTV in jeglicher Form ist ein breitbandiger Internetanschluss. Je nach zugrunde liegender Technik des Datenübertragungsverfahrens, sowie der Größe und Qualität der wiedergegebenen Inhalte und Auslastung der Netzinfrastruktur, unterscheiden sich die Anforderungen für eine optimale Präsentation von IPTV. In Deutschland werden beispielsweise die Mehrzahl der Breitbandzugänge über die DSL-Technik abgewickelt, die aktuell Verbindungsgeschwindigkeiten von bis zu 16MBit/s anbieten können.(vgl.[7]) Weitere Zugangsarten sind moderne Kabelnetze, Satelliten- oder Glasfaserverbindungen, die derzeit Geschwindigkeiten zwischen 32 und 100 MBit/s erreichen können.(vgl.[8]+[9])


Geschlossene Netze
Große Telekommunikationsunternehmen (TelKos), wie T-Home, Alice oder Arcor können auf eine eigene Infrastruktur an Breitbandverbindungen und -anschlüssen zurückgreifen und stellen hierüber eine eigene IPTV Plattform für ihre Kunden zur Verfügung. Meist wird IPTV dem Kunden im Paket mit Internet- und Telefonanschluss angeboten, dem sog. Triple-Play.
Es entstehen geschlossene Nutzergruppen, die auf das Angebot des jeweiligen Anbieters zugreifen können. Beschränkt wird dieses weiterhin mit der Verfügbarkeit der nötigen Infrastruktur. So müssen interessierte Kunden im Ausbaugebiet des Anbieters wohnen und noch dazu weitere Kriterien erfüllen, wie eine Mindestbandbreite der Internetverbindung, um IPTV hierüber nutzen zu können.


Internet
Im Gegensatz hierzu gibt es weitere IPTV-Anbieter, die ihr Portfolio nicht an ein eigenes Netz bündeln. Meist verfügen sie nicht über die Reichweite o.g. TelKos oder besitzen kein eigenes Netz, da sie z.B. aus anderen Brachenbereichen stammen.
Als Grundlage wird hierbei das normale Internet genutzt, wobei auch hier die Geschwindigkeit des Breitbandanschlusses einen erheblichen Einfluss auf die Qualität und Quantität des IPTV Angebotes nimmt.


Zentrale Server contra PeerToPeer


Zentrale Server
In einem klassischen Client-Server Netzwerk-Modell gibt es verschiedene Teilnehmer. Der Server wartet passiv auf eine aktive Anfrage eines Clients, um Dienste für diesen zur Verfügung zu stellen. Hierbei erfolgt die Datenübertragung vom Server zum Client hin und setzt somit bei steigender Nutzerzahl eine immer größere Infrastruktur voraus. Dies bedeutet, dass der anfallende Datenverkehr mit der Zahl der Teilnehmer zunimmt.


PeerToPeer
In einem Peer-to-Peer (P2P) Netzwerk ist jeder Teilnehmer gleichberechtigt (engl. peer für „Gleichgestellter“) wobei jeder Daten sendet und empfängt, man ist gleichzeitig Client und Server. Dies bedeutet, dass Ressourcen zwischen allen Teilnehmern ausgetauscht werden können. Es wird keine eigene Netzinfrastruktur benötigt und die Kapazitäten der Sendeeinheiten können erheblich mehr Nutzer bedienen, da auch auf die Sendeleistung eines jeden Teilnehmers im Netzwerk zurückgegriffen werden kann. Dies spart dem Betreiber eines P2P Netzwerks erhebliche Kosten für die benötigte Bandbreite und für die übertragenen Datenmengen.


Download contra Streaming


Download
Beim Download werden die angeforderten Inhalte zuerst komplett übertragen, was eine unterbrechungsfreie Wiedergabe und höchste Qualität der Daten, sowie einen erhöhten Bedienkomfort mit schnellen zeitlichen Sprüngen ermöglichen kann.


Streaming
Streaming bedeutet, dass sofort nach Anforderung von Multimediainhalten damit begonnen wird, die Übertragung und die Wiedergabe zu starten. Es entfällt die Wartezeit bis die kompletten Daten heruntergeladen wären und somit können diese schon genutzt werden, während sie noch gar nicht vollständig lokal verfügbar sind.
Abhängig von der Qualität, Größe und Länge der gestreamten Daten sowie der zur Verfügung stehenden Internetbandbreite beim Kunden, kann es zu Aussetzern während der Wiedergabe kommen und zeitliche Sprünge innerhalb der Vorführung bringen technisch bedingte Wartezeiten mit sich. Um diesen bei der sequenziellen Wiedergabe entgegenzuwirken, wird ein Puffer aufgebaut, der Schwankungen in der Übertragungsgeschwindkeit ausgleichen soll.


Datenkompression

Um die Größe der Inhalte von IPTV möglichst gering zu halten und somit eine schnellere Übertragung zu gewährleisten, werden die ursprünglichen Daten unterschiedlichsten Audio- und Videokompressionen bzw. -reduktionen unterzogen. (vgl.[3])

Man unterscheidet man zwischen verlustbehafteten und -freien Methoden. Dabei können jeweils unter Zuhilfenahme verschiedenster Codecs (von englisch coder und decoder) meist auf Kosten der Qualität die Übertragungsgröße verringert werden. (vgl.[4]+[5])

Beispiele für häufig verwendete Codecs für:

Videocodecs
  • MPEG4
  • H.264/AVC
  • VC-1
Audiocodecs
  • IPTV Dolby Digital Plus
  • HE-ACC-Surround Codec
  • WMA9 Pro


IPTV-Anbieter

Es gibt verschiedenste Anbieter für IPTV, wobei einige auf dem bestehenden Fernsehgerät aufbauen und andere sich dem Monitor als Ausgabemedium verschrieben haben.


TV-Angebot

Zur Nutzung des bisherigen TV-Gerätes für IPTV benötigt man in der Regel eine sog. Set-Top-Box (wörtlich als "Draufstellkasten" übersetzt und mit STB abgekürzt). Desweiteren wird unterschieden, ob man ein infrastrukturgebundenes IPTV nutzt oder nicht.


Infrastrukturgebunden
Die großen TelKos in Deutschland betreiben eigene Netzwerke mit Anschlüssen direkt bis hin zum Endkunden. Sie verfügen daher über die ideale Infrastruktur, um multimediale Zusatzdienstleistungen, wie IPTV, anzubieten.
Hierbei wird vom Anbieter eine spezielle STB zur Verfügung gestellt, welche meist nicht mit denen der Konkurrenten kompatibel ist.
Das Angebot an Inhalten besteht häufig aus einer individuell zusammenstellbaren Paketstruktur, die angefangen von den üblichen Free-TV Kanälen, über exklusive Sportinhalte sowie Musik und Film reicht.
Zusätzlich ist oft noch ein Video-on-Demand (VoD) Dienst mit integriert, welche sehr beliebte oder aktuelle Inhalte außerhalb von Paketen gegen einmalige Bezahlung für den Nutzer verfügbar macht.
Beispiele:
  • T-Home Entertain von T-Home (vgl.[11])
  • Alice Home TV von Hansenet / Alice (vgl.[12])
  • Arcor-IPTV von Arcor (vgl.[13])
  • XBox Live Marktplatz mit VoD (vgl.[14])


Frei zugänglich
IPTV Anbieter, die mit einer STB arbeiten und darüber hinaus nicht an einen bestimmten Internet-Anbieter gebunden sind, gibt es hierzulande noch selten.
Einziger Pionier ist Maxdome (vgl. [25]), ein Angebot der ProSiebenSat1 Media AG.
Neben dem Betrieb einer STB am TV-Gerät kann auch direkt am Computer Maxdome empfangen werden.


PC-Angebot

Als Ausgabegerät wird der Computermonitor benutzt. Mit der entsprechenden Ausstattung kann es auch auf einen handelsüblichen Fernsehbildschirm oder Beamer umgeleitet werden.


Software
Um IPTV bei softwaregebundenen Anbietern nutzen zu können, ist es meist nur nötig, ein spezielles Programm zu installieren und sich für den Anbieter anzumelden.
Neben den allgemeinen Systemvoraussetzungen für den Betrieb der Software ist es auch möglich, dass manche Dienste nur regional verfügbar sind, wobei die Herkunft des Nutzers über die IP Adresse bestimmt werden kann. Des Weiteren befinden sich einige Dienste zur Zeit noch in der Erprobungsphase und sind somit noch nicht der breiten Öffentlichkeit zugänglich.
Die bekanntesten Anbieter sind:
  • Zattoo (vgl.[15])
  • Joost (vgl.[16])
  • Veoh (vgl.[17])
  • Bablegum (vgl.[18])
  • Miro (vgl.[19])


Browser
Ohne Installation einer zusätzlichen Software kommen IPTV-Dienste aus, die im Internet-Browser nutzbar sind. Dabei werden meist nur sog. Plug-Ins benötigt, die für die meisten gängigen Browser verfügbar sind. Je nach Anbieter muss eine Anmeldung erfolgen, um spezielle Dienste nutzen zu können. Dennoch können meist die gezeigten Inhalte direkt per URL z.B. an Freunde verschickt werden. Die geringen Anforderungen tragen zu einer hohen Beliebtheit der Plattformen bei.
Beispiele bekannter Videoportale:
  • Youtube (vgl.[20])
  • ClipFish (vgl.[21])
  • RTL-Now (vgl.[22])
  • ARD / ZDF Mediathek (vgl.[23]+[24])


Nutzungsart

Man unterscheidet hierbei nach der Art der Haltung eines IPTV-Nutzers. Je nach Technischer Voraussetzung, Anbieter und Gewohnheit, gibt es unterschiedliche Modelle. (vgl.[10])


Lean Back(TV) contra Lean Forward(PC)


Lean Back

Um IPTV im heimischen Wohnzimmer am Fernsehgerät nutzen zu können, benötigt man einen Decoder, die sog. Set-Top-Box (STB). Sie wird vom Provider des jeweiligen IPTV-Angebots zur Verfügung gestellt und ist in der Regel an ihn gebunden, so dass sie bei einem Wechsel des Anbieters nicht weiterbenutzt werden kann.

Es wird auch die gewohnte Haltung vom normalen TV zum IPTV hin übernommen. Die gewünschten IPTV-Inhalte können bequem mittels einer Fernbedienung abgerufen, das Elektronische Programmheft studiert oder der integrierte Videorecorder programmiert werden. Bezeichnend dafür ist der Begriff des Lean Back (deutsch: "Zurücklehnen" im Bezug zur Sitzposition während des TV-Konsums). In einer entspannten Haltung lässt man sich meist eher passiv von den dargebotenen Inhalten berieseln und kann dennoch durch simpelste Werkzeuge wie einer Fernbedienung alles steuern.


Lean Forward

IPTV über einen Computer ist durch spezielle Software möglich, die oftmals kostenlos ist. Dazu lädt man sich das herstellerspezifische Programm von der Anbieterseite herunter und kann mit diesem und womöglich einer Anmeldekennung, auf das IPTV-Angebot des jeweiligen Anbieters zugreifen. Egal ob am Desktop-Computer oder am Notebook ist das Seh-Verhalten im Gegensatz zum Lean Back beim TV eher einem Lean Forward zuzurechnen. Der wörtlich als Vorwärtslehnen übersetzte Begriff deutet auf die angespannte Position auf den meist kleineren Monitor hin und bringt auch ein aktives arbeiten mit der Maus und Tastatur mit sich. Ebenso können Filme bequem auf dem Monitor oder TV-Ausgang angesehen werden, aber die Bedienung der meisten computerbezogenen IPTV-Angebote erfordern eine aktivere Anteilnahme. Dies erfordert einen näheren Kontakt zum Medium als beim normalen Fernsehgerät und erzeugt somit die beschriebene Sitzposition.


Zusatzdienste

Der große Unterschied zum herkömmlichen Fernsehen ist, dass durch das Internets ein Rückkanal zur Verfügung gestellt wird. Dadurch können die Wünsche des Kunden zum Anbieter übermitteln werden. So kann der Nutzer selbst in die Programmgestaltung eingreifen. Er bestimmt seinen IPTV-Konsum indiviuell nach seinen Bedürfnissen und kann in den Genuss weiterer nützlicher Funktionen kommen.


EPG - Electronic Program Guide

Der ins deutsche als elektronischer Programmführer übersetzte Dienst, ist die Fernsehzeitschrift des IPTV. Sie gibt einen genauen Überblick über die aktuellen Sendeinhalte. Auf Knopfdruck lassen sich weitere Informationen sofort anzeigen. Des Weiteren wird mit dem EPG der Recorder bedient, der in der STB oder im Programm enthaltenen ist. Die gewünschten Inhalte werden dabei für ein späteres Betrachten vorgemerkt.


Festplattenrecorder und Timeshift

Mit Hilfe des Recorders, der ähnlich einem Video- oder DVD-Recorder definierte Inhalte auf einer integrierten Festplatte speichert, können sie mehr als einmal betrachtet werden. Abhängig von der Aufnahmequalität und des zur Verfügung stehenden Speicherplatzes können viele Stunden an Aufnahmen erzeugt werden. Beim IPTV geschieht dies oft automatisch im Hintergrund. So können verpasste Anfänge von Sendungen für kurze Zeit nachgeholt oder auch Pausen während der Übertragung eingelegt werden. Zeitliche Sprünge innerhalb bereits aufgenommener Passagen sind ebenso kein Problem, z.B. um unangenehme Werbeunterbrechungen zu überspringen.


Video on Demand

Video On Demand (VoD, dt. Video auf Nachfrage oder Videoabruf) beschreibt die Bereitstellung von multimedialen Inhalten auf Abruf. Das bedeutet, dass ein zentraler Dienst seine Übertragung auf Nachfrage eines anderen Teilnehmers beginnt, die unabhängig von Ort und Zeit stattfinden kann. Meist werden diese Premiuminhalte gegen Bezahlung angeboten, dem sog. Pay-per-View. Der Nutzer kann aus einem großen Sortiment, ähnlich einer Videothek, die gewünschten Inhalte auswählen und bekommt sie zeitnah zum Abspielen bereitgestellt. Dabei werden meist die üblichen Funktionalitäten beispielsweise bekannt von der DVD her angeboten, so dass während des Betrachtens eine Unterbrechungen eingefügt werden oder Vor- bzw. Zurückgespult werden kann. VoD kann mit einer Online-Videothek verglichen werden, in der man rund um die Uhr beliebige Inhalte zum heimischen Kinovergnügen ausleihen oder für den Besitz erwerben kann.

Die Vorteile gegenüber lokalen oder Online-Videotheken (mit Postversand) sind:

  • keine An- bzw. Abreise nötig
  • ein erheblich größeres Angebot an Inhalten ist möglich, da keine Lagerhaltungsprobleme auftreten
  • Vorschau ist möglich (z.B. mit geringerer Qualität)
  • Diskreter Zugang
  • Sofortige Verfügbarkeit


VoD kann entweder direkt vom IPTV-Anbieter zur Verfügung gestellt werden oder über einen anderen Anbieter. Beim IPTV-Anbieter erfolgt die Zahlung über die gleiche Rechnung. Die ungebundenen Anbieter sind wiederum i.d.R. nicht miteinander kompatibel. Deshalb wird eine weitere STB benötigt oder es wird ein Online-Anbieter über den Computer genutzt. Bei Letzterem stellt das Internet eine unglaubliche Fülle an Downloadportalen zur Verfügung.

Beispiele für VoD-Download-Portale:

  • Videoload (vgl.[27])
  • One4Movie (vgl.[28])
  • In2Movies (vgl.[29])


Finanzierung

In vielen Ländern werden obligatorische Gebühren für den TV-Empfang jeglicher Art erhoben. In Deutschland geschieht dies über die GEZ.(vgl.[35]) Daneben fallen für den IPTV Empfang oft noch weitere Gebühren an sofern nicht eine der kostenfreien Lösungen genutzt wird.


Kostenfrei / Werbefinanziert

Um Kosten zu senken oder gar die Inhalte völlig kostenlos anbieten zu können, greifen viele Anbieter auf Werbung innerhalb des Angebots zurück. Sie kann als normale Unterbrecherwerbung während der Übertragung, vor dem eigentlichen Start der Inhalte, beim Umschalten zwischen verschiedenen Kanälen oder als Einblendung während der Präsentation dargeboten werden.


Bezahlmodelle

Oft vermarkten große TelKos IPTV zusammen mit anderen Produkten. Dabei handelt es sich i.d.R. um Internet- und/oder Telefonanschlüsse, die das sog. Triple-Play-Angebot bilden.

Wird das Angebot um Mobilfunk erweitert, kann der Begriff des Quadruple-Play oder einfach Multi-Play bei freier Kombination der Komponenten kreiert werden. Ansonsten steht es dem Kunden frei, aus einer Auswahl von Paketen sein persönliches Bouquet an Inhalten zusammenzustellen und zahlt dafür spezielle Monatsabos oder Paketpreise.


Vorteile / Nachteile


Vorteile von IPTV

Gegenüber dem herkömmlichen TV sind einige Vorteile bereits genannt worden. Daneben gibt es noch im Folgenden aufgelistete Vorteile:

  • Video on Demand bietet Inhalte ab Abruf
  • Interaktivität ist durch direktes Eingreifen in den Programmablauf möglich
  • Der Digitale Videorecorder bietet neue Aufnahmequalität ohne Zusatzgerät
  • Der Digitale Programmführer leitet durch die Inhalte, auch nach eigenen Wünschen oder Genres sortiert und lässt somit vorrangige Interessen besser berücksichtigt
  • Eine Loslösung vom bisherigen TV-/ Kabelanbieter wird möglich und erspart Kosten
  • Theoretisch existiert eine unbegrenzte Anzahl an Sendern
  • Es bewirkt eine Förderung kleiner Sender ohne eigene Infrastruktur


Nachteile von IPTV

Bei dieser noch sehr jungen Technik gibt es natürlich auch Nachteile, welche im Folgenden aufgelistet werden:

  • Zu viele unterschiedliche Formate - Inkompatibilität der Anbieter untereinander
  • Wenige Anreize vom bisherigen TV-Anbieter zu IPTV zu wechseln
  • Zu teuer - IPTV ist bisher fast nur im Paket mit anderen Produkten erhältlich
  • Wenig Interaktivität im bisherigen Programm
  • Zu geringes Angebot - unterschiedliche Lizenzsysteme der Anbieter verhindern allumfassende Verfügbarkeit über sämtliche Inhalte
  • Rechtliche Lage – schwierige Unterscheidung zwischen legalen und illegalen Inhalten vor allem auch bei privat eingestellten Online-Inhalten
  • Durch unzureichenden Bedienungkomfort wird das bestehende Angebot schnell unübersichtlich



Potentialtrigger oder leerer Hype

Derzeit sind vor allem die illegalen Angebote des IPTV sehr gefragt, da aktuelle Kinofilme in guter Qualität ohne umständliches Herunterladen, Entpacken, Umwandeln, Brennen usw. angeboten werden. Daneben ist die rechtliche Situation bzw. der Grad zwischen Legalität und Illegalität oftmals noch nicht vollständig geklärt. Insbesondere von privaten Anwendern hochgeladene Videos (z.B. bei Youtube (vgl.[20])) stellen den Betreiber vor immer neue Schwierigkeiten. So ist beispielsweise das integrieren von geschützter Musik innerhalb privater Videos immer noch ein Problem, das erst kürzlich zwischen Youtube und der deutschen GEMA (vgl.[26]) für Gesprächsstoff sorgte (vgl.[6]).

Ein weiterer Punkt für den derzeitigen noch schlechten Stand von IPTV dürfte die Angst vor der Umstellung der gewohnten Fernsehgewohnheit sein. Der Nutzer muss zunächst davon überzeugt werden, warum er auf die neue Technik umsteigen soll und ihm die Vorteile der Technologie nähergebracht werden.

Einen guten Ansatzpunkt für die Verbindung von IPTV, dem Social Networking und dem neuen Betriebssystem Windows Vista zeigt die Firma Yavido (vgl.[25]). Der IPTV-Musiksender der Firma wird in das Windows Vista Media Center integriert oder lässt sich mittels Gadgets auf dem Desktop einbinden. Dadurch ist es möglich, zu den gezeigten Videos sofort viele Hintergrundinformationen zu erhalten und CDs oder Klingeltöne zu bestellen. Zudem erlaubt es die Plattform, eigene Meinungen zu verschiedenen Themen, Künstlern, Liedern usw. abzugeben und es werden exklusive Inhalte präsentiert, z.B. Interviews, Livemitschnitte, Trailer etc. .

Die große Chance des IPTV liegt in seiner Interaktivität. Wenn der Nutzer erst einmal von der freien Abrufbarkeit sämtlicher Titel mittels VoD überzeugt ist und man sich interaktiv mit anderen Nutzern über die Inhalte austauschen kann, dann kann IPTV funktionieren.

Insbesondere gemeinsame TV Erlebnisse werden sich dadurch grundlegend verändern. Zwar können Inhalte weiterhin mit Anderen genossen werden, aber ein gemeinsames Ansehen und vor allem das Diskutieren wird sich ändern, da es fast keine festen Sendezeiten mehr gibt und somit auch keine späteren Unterhaltungen über das Fernsehprogramm vom Vorabend. Daher ist anzunehmen, dass vielmehr Empfehlungen über Gesehenes an Bekannte übermittelt werden, worüber sich später ausgetauscht werden kann.

Dennoch liegt die größte Chance für IPTV in der jüngeren Generation. Wenn sie erst einmal nicht mehr auf ein einprogrammiertes Fernsehverhalten zurückgreifen können und sich lieber selber ihre Favoriten aus der Fernsehwelt heraussuchen, kann das heutige Fernsehen als veraltet angesehen werden.


Literatur

Held, Gilbert: Understanding IPTV, Boca Raton, Auerbach Publications, Taylor & Francis Group, 2007, ISBN 978-0-8493-7415-9


Quellen

[1] Definition IPTV bei IPTV-Infos.de
[2] Defintion IPTV bei en.wikipedia.org
[3] Definition Datenkompression bei de.wikipedia.org
[4] Definitionen von Audio und Videocodecs von iptv-faq.de
[5] Definition Codec bei de.wikipedia.org
[6] Youtube vs Gema von heise.de
[7] DSL Geschwindigkeiten von dsl-speed-tester.de
[8] Kabel DSL Anbieter mit aktuellen Geschwindigkeiten von dslweb.de
[9] Artikel über alternative Glasfaser-Infrastrukturen von teltarif.de
[10] Usability am TV bei iptvtoday.de


Weblinks

[11] T-Home Entertain
[12] Alice HomeTV
[13] Arcor IPTV
[14] X-Box Live Marketplace
[15] Zattoo
[16] Joost
[17] Veoh
[18] Babelgum
[19] Miro
[20] Youtube
[21] Clipfish
[22] RTL-Now
[23] ARD-Mediathek
[24] ZDF-Mediathek
[25] Yavido
[26] GEMA
[27] Videoload
[28] One4Movie
[29] In2Movies


Autor: Tobias Hartmann