Leistungsumfang Betrieblicher Standardsoftware
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Der Leistungsumfang gliedert sich in verschiedene Bereiche und stellt dar, welche Funktionen (Leistungen) von der Standardsoftware erwartet werden können und welche Leistungen vom User erbracht werden müssen.
Inhaltsverzeichnis |
Unabdingbare Leistungen der Standardsoftware
Die Leistungen gliedern sich in verschiedene Bereiche
Betriebsarten
Es erfolgt eine Unterscheidung:
- nach der Anzahl der gleichzeitig in Bearbeitung befindlichen Programme
- nach der Anzahl der in einem Rechner eingesetzten Prozessoren
- nach der zeitlichen Abwicklung einzelner Aufgaben durch den Rechner
- nach der Anzahl der Benutzer
Verwaltung von Daten
Daten können eingeteilt werden in:
Stammdaten (Master Data)
- Daten sind zustandsorientiert
- keine oder seltene Änderung (z.B. Name, Adresse)
Bestandsdaten (Inventory Data)
- Daten sind zustandsorientiert
- kennzeichnen die betriebliche Mengen- und Wertestruktur
Bewegungsdaten (Transaction Data)
- Daten sind abwicklungsorientiert
- entstehen durch die betrieblichen Leistungsprozesse
- bewirken die Veränderung von Bestandsdaten (z.B. Materialentnahmen)
Auskunftsfunktion
Alle Software-Funktionen, mit denen gespeicherte Einzelinformationen aus den Stamm- und Bewegungsdaten abgefragt werden können, zählen zu den Auskunftsfunktionen. Außerdem werden sie für die die Wahrnehmung verschiedenster Aufgaben benötigt, beispielsweise der Suche nach einem Kundenstammsatz, Auftrag, Beleg.
Auswertungsfunktion
Bei Auswertungsfunktionen ist das Informationsinteresse auf die Selektion oder Verknüpfung aller gespeicherten Daten, die sich durch bestimmte Merkmale auszeichnen, gerichtet. Standard-Auswertungen sind beispielsweise GuV, Bilanz, Saldenlisten, Soll-ist-Vergleiche etc.
Nummernsystem
Nummernsysteme (oder auch Nummernkreise genannt) sind die Gesamtheit aller zu einer Objektklasse gehörenden Nummern (Schlüssel). Sie dienen der Identifikation und Klassifikation von Objekten und bilden das strukturelle Gerüst des Zahlenwerks im Rechnungswesen.
Modularer Aufbau
Ein modularer Aufbau ermöglicht die Verwendung von einzelnen Teilsystemen. Die Einführung bzw. Integration eines Gesamtsystems kann in Teilschritten, über einen längeren Zeitraum, erfolgen.
Integration
Nicht-integrierte Datenverarbeitung
Die nicht integrierte Datenverarbeitung ist dadurch gekennzeichnet, dass Aufgaben in der Unternehmung isoliert von anderen Aufgaben DV-unterstützt durchgeführt werden. Es erfolgt, durch wiederholte Dateneingabe, eine mehrfache Speicherung gleichartiger Datenbestände (redundante Bestands- und Bewegungsdaten).
Integrierte Datenverarbeitung
Das Ziel der integrierten Datenverarbeitung ist es, die Abteilungsgrenzen zu überwinden und die verschiedenen betrieblichen Teilbereiche enger miteinander zu verknüpfen. Durch die Reduktion des Datenerfassungsaufwandes werden Mehrfacheingaben und Mehrfachspeicherungen vermieden.
Benutzerbezogene Leistungen der Standardsoftware
Die Leistungen gliedern sich in folgende Bereiche:
Dialog- und Ein-/Ausgabesteuerung
Kriterien für die Eingabesteuerung
- Häufig benötigte Daten (z.B. Personalstammdaten) sollten nur einmal eingegeben werden müssen
- Standarddaten sollten in verkürzter Form (Abkürzung, Kennziffer) eingegeben werden können
- Bei der Dateneingabe sollten Korrekturen leicht und schnell möglich sein
- Die Daten sollten bei Eingabe auf Fehler und Plausibilität geprüft werden
- Kennzeichnung von Eingabefeldern
Kriterien der Ausgabesteuerung
- Ergebnissen sollten schnell und übersichtlich dargestellt werden
- Das Ausgabemedium sollte wählbar sein (Drucker, Bildschirm, Plotter)
- Formate und Daten einer Ausgabe sollten wählbar sein, um spezielle Informationswünsche befriedigen zu können
Benutzeroberfläche
Benutzeroberflächen (Benutzerschnittstellen, User Interfaces) sind Schnittstellen zwischen dem Benutzer und dem System. Ihre Aufgabe besteht in der Benutzerführung, die dem Anwender am Bildschirm für den Dialog mit dem Computer zur Verfügung gestellt wird
Benutzerführung
Durch die Benutzerführung soll der User durch das System geleitet werden, sie dient also der Navigation.
Es gibt verschiedene Formen der Benutzerführung.
- Menütechnik
- Funktionstastensteuerung
- Steuerung über grafische Symbole in Verbindung mit Fenstertechnik
- Steuerung über eine Befehlssprache
- Steuerung über Transaktionscodes
Lokalisierung
Lokalisierung ist die Anpassung von Inhalten, Prozessen und Programmen an ein bestimmtes geografisches oder ethnisches Nutzungsgebiet. Folgende Bereiche sollten unterstützt werden:
- Sprachen
- Datumsformate
- Kontenpläne
- Währungen
- Lohn- und Gehaltsabrechnungsmodalitäten
- Steuersätzen
- gesetzlich Rechnungslegungs- und –prüfungsvorschriften
Dokumentation
Die Qualität und der Umfang der Dokumentation sind ein Indikator für den Reifegrad und die Sorgfalt der Erstellung eines Software-Paketes selbst. Die Dokumentation sollte ein umfassendes Stichwortverzeichnis, eine didaktisch gute Gliederung und einen arbeitsgerechten Aufbau enthalten.
Anpassungsfähigkeit und Flexibilität
Anpassung (Customizing) von Standardsoftware
Unter Customizing versteht man die Anpassung von Standardsoftware an die kundenspezifischen Anforderungen. Dies geschieht beispielsweise durch die Integration von anwenderspezifischen Programmteilen oder durch Einstellungen von Parametern nach betriebsspezifischen Vorgaben.
Aktualität
Die Standardsoftware sollte jederzeit an veränderte gesetzliche Rahmenbedingungen anpassbar sein. Die Umsetzung neuer Entwicklungen und Technologien sollten genauso möglich sein, wie die Unterstützung neuer Standards (TCP/IP, EDIFACT, OSI Referenzmodell usw.).
Softwarekosten
Anschaffungs- und Entwicklungskosten
Standardsoftware kann in der Regel gekauft oder gemietet werden. Beim Kauf erwirbt der Benutzer gegen Entrichtung einer einmaligen Gebühr das Recht zur zeitlich unbegrenzten Nutzung der Software. Bei Abschluss eines Mietvertrages hingegen wird das Recht zur zeitlich begrenzten Nutzung gegen regelmäßige Mietzahlungen erworben. Kaufpreis oder Monatsmiete hängen stark von der Anzahl der eingesetzten Module bzw. von deren Ausbaustufe ab.
Die Anschaffungskosten gliedern sich in:
- Hardware
- Installation
- Nutzungsgebühren
- Kosten für die Anpassung an Einsatzbedingungen des Anwenders
- Kosten für organisatorische Umstellungen
- Kosten für Schulung der Mitarbeiter
- Beratungskosten
Zu berücksichtigende Aspekte für Entwicklungskosten:
- Berücksichtigung aller Kosten die während der Entwicklung entstehen bis hin zur ersten Installation
- Kosten für Eigenentwicklungen sind sehr viel höher als die Installation einer Fremdsoftware
- Berücksichtigung von Opportunitätskosten
Laufende Betriebskosten
Zu den laufenden Betriebskosten gehören die Kosten des direkten Systemsbetriebes wie laufende Hardware-, Systemsoftware- und Operatingkosten (z.B. Systemadministration). Ebenfalls zu diesem Bereich gehören die Kosten, die für laufende Wartungs- und Weiterentwicklungsarbeiten entstehen.
Zusatzleistung
Schulung und Einführungsunterstützung
Unter Schulungen werden Gemeinschaftsseminare mit anderen Benutzern bzw. interne Firmenseminare für die DV-Abteilung, für die Fachabteilungen und für die Führungskräfte verstanden.
Bei der Einführungsunterstützung helfen Mitarbeiter des Anbieters (bzw. eines externen Beraters) bei der Arbeit mit der Software. Die Benutzer sollen dadurch Sicherheit im Umgang mit der Software bekommen und Schwierigkeiten bei den ersten Einsätzen sollen vermieden werden.
Wartung
Software-Wartung ist jede Arbeit an einem bestehenden Software-System, die nicht von Beginn der Entwicklung an geplant war oder hätte geplant werden können und die unmittelbare Auswirkungen auf den Benutzer der Software hat.
Formen der Wartung:
Literatur
- Hans R. Hansen, Gustaf Neumann: Wirtschaftsinformatik 1. Utb, 9. Auflage, Januar 2005, 855 Seiten, ISBN 3-8252266-9-7
- Markus Schwarz: ERP-Standardsoftware und organisatorischer Wandel. Eine integrative Betrachtung. Deutscher Universitäts-Verlag, 1. Auflage, Dezember 2000, 162 Seiten, ISBN 3-8244729-5-3
- Stahlknecht und Hasenkamp: Einführung in die Wirtschaftsinformatik, 11. Auflage, 561 Seiten, ISBN 3540011838
- Prof. Dr. Oliver Wendt: Systeme Betrieblicher Standardsoftware, Vorlesungsunterlagen, Stand: September 2006, Technische Universität Kaiserslautern
