Marktplätze im Web für Privatversicherungen

aus www.iwiki.de, der freien Wissensdatenbank

Beim Thema Marktplätze im Web für Privatversicherungen geht es darum, welche Arten von Marktplätzen im Bereich von Privatversicherungen bereits im Internet aufzufinden (Status Quo) sind und welche Arten von Marktplätzen es eventuell in diesem Bereich in Zukunft noch geben könnte (Möglichkeiten).


Inhaltsverzeichnis

Begriffserläuterung

Marktplatz

Im Folgenden werden elektronische Marktplätze im Bereich Privatversicherungen betrachtet.

Privatversicherung

Unter einer Privatversicherung versteht man alle Versicherungsarten, welche nicht von Firmen abgeschlossen werden.

Arten von Privatversicherungen(Auszug):

Status Quo

Im Gegensatz zum Handel mit herkömmlichen Gebrauchsgütern, welcher über das Internet boomt, wie nie zuvor, steckt der Handel mit Privatversicherungen noch in den Kinderschuhen und entwickelt sich erst langsam.

Nach einem kleinen Boom im Jahr 2000 kam 2001 das Krisenjahr für die Online-Marktplätze.

Moneyshelf, Censio, Quinner, eine Tochter der britischen Prudential, und Onsecure wurden vom Markt genommen oder gingen in die Insolvenz. Wer jedoch diese Krise überlebt hat, profitiert nun vom gestiegenem Interesse der Verbraucher Versicherungen online zu vergleichen und/oder abzuschließen(Quelle).

Nachdem aktuell bereits jede große Versicherung einen eigenen Tarifrechner, bzw. die Möglichkeit des Anforderns eines individuellen Angebots auf der firmeneigenen Internetseite bereitstellt(z.B. HUK24), gibt es zusätzlich auch immer mehr Online Versicherungsportale.

Auf diesen Portalen kann der Kunde die Tarife mehrerer Versicherungen in einem Schritt vergleichen und so den für sich passenden günstigsten Tarif auswählen und diesen direkt online beantragen, bzw. weitere Informationen zu diesem Tarif anfordern.

Online Versicherungsportale

Bei diesen Portalen handelt sich um virtuelle Marktplätze, auf welchen der Kunde aus verschiedenen Angeboten auswählen kann. Der Kunde wählt die Art der Versicherung, für welche er einen Vergleich wünscht, aus und gibt die notwendigen persönlichen Daten in ein Formular ein. Nach Überprüfung der Daten, sucht das System die günstigsten Tarife für die gewünschte Versicherungsart, abhängig von den persönlichen Angaben aus der Datenbank. Anschließend kann je nach Versicherungsart und –anbieter eine Versicherung direkt online abgeschlossen werden bzw. eine Anfrage zwecks eines Vergleichs getätigt werden. Bei direktem Abschluss der Versicherung erhält man während des Bestellvorgangs ein Protokoll zum Download angeboten, in welchem alle gemachten Angaben festgehalten werden. Falls man zu einem Versicherungstyp keinen Onlineabschluss tätigen kann, besteht die Möglichkeit des Anforderns eines sog. Vergleichs bei dem jeweiligen Anbieter. In diesem Fall wird man in den folgenden Tagen von einem Servicemitarbeiter per Mail/per Telefon kontaktiert und man erhält Beratung zu den möglichen Tarifen.

Gründe für die Nutzung von Online-Portalen

Laut eines Artikels der PASS Consulting Group sind die folgenden Punkte die Hauptgründe für die Nutzung der Onlineportale von Versicherungen, aber auch von Versicherungsvergleichsseiten:

  • Unahängigkeit von den Servicezeiten der Anbieter
  • Zeitersparnis
  • Aussicht auf bessere Konditionen

Probleme

Doch auch der vermeintliche Überblick über „alle“ Versicherungen hat seine Tücken.

Aus einer Studie von ÖKO-Test vom 22.05.2006 aus dem Bereich „Geld und Versicherungen“ zum Thema „Versicherungsportale im Bereich von KFZ-Versicherungen“ geht hervor, dass die einzelnen Portale zum Versicherungsvergleich nicht immer die gleichen Ergebnisse liefern. Gründe dafür lauten wie folgt:

  • Die Anbieter der Portale leben von den Provisionen der Versicherungen. Deshalb werden zum Teil nur gut zahlende Versicherungen angezeigt und Anbieter, welche nicht gut zahlen, ausgeblendet. Deshalb sollte immer darauf geachtet werden, welche Versicherungen zum Vergleich herangezogen werden.
  • Verwendung von unterschiedlichen Datenbanken, welche zur Suche der günstigsten Tarife hergenommen werden
  • Heraussuchen der besten Tarife, aufgrund von „anonymisierten Datenbankabfragen“ ohne persönlichen Kontakt und ohne persönliche Beratung. Dadurch können nicht immer alle individuellen Tarifkomponenten erfasst und berücksichtigt werden.

Zusätzlich zu den teilweise unzuverlässigen Ergebnissen kommt in vielen Fällen eine komplizierte Bedienung der Internetseite, welche für unerfahrene Internetuser schnell zu einer unüberwindbaren Hürde werden kann und die eigentlich beabsichtigte schnelle Informationsaufbereitung/-bereitstellung verhindert. Denn wenn sich die Nutzer des Internetangebots nicht ohne lange Einarbeitung in die Navigation der Seite zurechtfinden, verlieren diese schnell das Interesse und verlassen die Seite.

Ein weiteres Problem dieser Versicherungsvergleiche ist, dass der Benutzer nicht immer auf den ersten Blick erkennen kann, ob er sich wirklich auf einem unabhängigen Versicherungsportal befindet, oder ob er auf einer Homepage einer Versicherung ist, welche die eigenen Tarife miteinander vergleicht. Allein die Suche bei google.de nach dem Stichwort Versicherungsvergleich ergibt über 3 Millionen Treffer. Doch diese Ergebnisse verlinken oft nicht auf ein Portal zum Versicherungsvergleich, sondern auf eine von vielen, Maklerseiten, welche in der Regel keinerlei Versicherungsvergleiche anbieten, sondern lediglich auf einen persönlichen Beratungstermin abzielen.

Vergleich von Versicherungsportalen

Um die gerade eben erläuterte Problematik der Ergebnisse der einzelnen Portale zu belegen im Folgenden ein Ausschnitt aus einem Test der Firma ÖKOTest vom 10.3.2006.

Es wurden dabei acht große Vergleichsportale im Bereich der KFZ-Versicherung gestestet. Anhand einer unabhängigen Vergleichsdatenbank wurde überprüft, welches Portal auch die günstigsten Tarife dem Benutzer anzeigt.

Gestestet wurden dabei aspect−online, fss− online, forium, insuranceCity, asuro, ino24, FinanceScout24, einsurance. Es wurde einmal die günstigste KFZ-Versicherung für Familien und zum anderen die günstigste Versicherung für junge Fahrer gesucht.

Nur bei 2 Portalen (aspect−online, fss− online) gab es in beiden Kategorien eine 100-prozentige Übereinstimmung mit der unabhängigen Kontrolldatenbank des Unternehmens NAFI. Diese Datenbank beinhaltet 99 Prozent aller am Markt tätigen Autoversicherer.

Die größten Unterschiede traten bei einsurance auf. Falls sich ein Benutzer allein auf diese Seite verlassen hätte, hätte er anstatt von 990,28 Euro exakt 1330,98 Euro für seine Police bezahlt.

Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass man immer mehrere Vergleichsportale zu Rate ziehen sollte, da die meisten in einigen Kategorien gute Ergebnisse und in anderen Kategorien, aufgrund der oben genannten Problematik, eher schlechte Ergebnisse liefern.

Möglichkeiten / Zukunftsaussichten

Der Onlinemarkt für Privatversicherungen ist noch relativ jung und bietet daher noch ein großes Wachstumspotential. Bisher werden hauptsächlich „einfache“ Versicherungstypen online abgeschlossen. Dies sind vor allem Versicherungsarten, bei welchen keine komplexe Einbeziehung persönlicher Lebensumstände notwendig ist. z.B.

  • KFZ-Versicherungen
  • Hausratsversicherungen
  • Unfallversicherungen

Jedoch wird es über kurz oder lang auch im Bereich von Risikolebensversicherungen, Vorsorgeversicherungen, Altersvorsorge die Möglichkeit geben, diese Online, ohne explizit notwendige Beratung, abschließen zu können. Dazu ist es jedoch notwendig, dass die Versicherungspakete/-verträge einer starken Standardisierung unterzogen werden, so dass diese auch für Personen ohne einem sehr hohen Fachwissen und somit ohne sehr langer Einarbeitung in die Materie verständlich sind.

Zusätzlich zur Standardisierung der Versicherungspakete muss auch die Navigation und der Ablauf des Vergleichens von Versicherungen verbessert werden.

Auf einigen Portalen benötigt man mehrere Minuten um sich mit der Struktur der Seite auseinanderzusetzen und den Punkt zu finden, welchen man auch sucht. Zusätzlich kommt es vereinzelt vor, dass alle getätigten Angaben verloren gehen, falls man eine Pflichteingabe übersieht und versehentlich zum nächsten Schritt übergehen möchte. Dies sind Punkte, welche in Zukunft verbessert werden sollten, um die Versicherungssuchenden auf einem Portal zu binden.

Mögliche zukünftige Geschäftsmodelle

Durch eine stärkere Standardisierung der Versicherungspakete wäre folgendes Marktplatzmodell für Privatversicherungen denkbar.

E-Markets

E-Markets sind Marktplätze vom Typ Consumer-To-Business. Dabei könnten Kunden Ihren benötigten Versicherungsbedarf veröffentlichen und anschließend darauf warten, dass sich Versicherungen melden und Ihnen Angebote machen. Diese Form von Marktplätzen gibt es bereits im Bereich von Handwerkeraufträgen & Dienstleistungen , so wie im Bereich von Zahnarztleistungen. Die Internetseiten der beiden Beispiele finden Sie unter:

Um jedoch einen derartigen Marktplatz im Bereich Privatversicherungen zu verfolgen, sind große Ressourcen zur Marktbeobachtung notwendig, welche in der Masse bei kleinen Unternehmen nicht vorhanden sein könnten.

Es bleibt daher offen, ob sich ein derartiger Marktplatz im diesem Bereich durchsetzen könnte und für welche Arten von Privatversicherungen es für Käufer und Verkäufer lohnenswert wäre.

Fazit

Welches Modell in Zukunft welchen Anteil vom Kuchen des Handels mit Privatversicherungen über das Internet abbekommt, ist momentan noch nicht absehbar. Jedoch steht fest, dass die Versicherungsanbieter nicht stillstehen dürfen, denn Der Kunde bestimmt im virtuellen Leben die Richtung – nicht der Versicherer(Quelle).

Der Kunde möchte trotz der Anonymität des Internets eine intensive und intelligente Beratung bezüglich des optimalen Versicherungstarifs unter Einbeziehung seiner persönlichen Situation. Trotz dieser Kundenwünsche soll die Tariffindung unkompliziert und den Umständen entsprechend schnell vonstatten gehen.

Eine Studie des Marktforschers psychonomics AG zeigt zudem das riesige Potential dieses Sektors auf. Laut einer Studie vom 10.Juli 2007 denken aktuell 42 Prozent (27 Millionen) aller Entscheider von privaten Versicherungsangelegenheiten darüber nach, eine neue Versicherung abzuschließen bzw. die alte Versicherung zu wechseln.

Die Sparten mit dem größten Interesse sind dabei die KFZ-Versicherung mit 10 Millionen Wechselwilligen und die Schaden/Unfall/Haftpflichtversicherungen mit einer Gesamtzahl von 8,5 Millionen Abschlusswilligen.

Quellen

Literatur

  • Studienarbeit: Geschäftsmodell für den Online-Vertrieb von Versicherungen für Privatpersonen ISBN 978-3-638-30725-3

Internet

Weblinks

Versicherungsportale

eMarkets


Mathias Gossenberger