Netzplantechnik

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Die Netzplantechnik ist eine Technik zur Planung und Steuerung von Projekten. Sie umfasst alle Verfahren zur Analyse, Planung, Steuerung und Überwachung von Abläufen auf der Grundlage der Graphentheorie, wobei Zeit, Kosten, Einsatzmittel bzw. Ressourcen berücksichtigt werden können.

Ein Netzplan ist hierbei ein zusammenhängender, gerichteter und schleifenfreier Graph.


Inhaltsverzeichnis

Netzplanelemente

Ein Netzplan besteht aus den Elementen Vorgang, Ereignis und Anordnungsbeziehung.

Ein Vorgang stellt eine Teilaufgabe eines Projektes dar und ist ein zeiterforderndes Geschehen mit definiertem Anfang und Ende. Durch das funktionale Element Ereignis werden Anfang und Ende von Vorgängen dargestellt. Eine Anordnungsbeziehung gibt an, mit welchen Vorgängen oder Ereignissen ein gerade betrachtetes Element verknüpft ist.

Die Ablaufstruktur eines Netzplans wird durch die Gesamtheit der Anordnungsbeziehung gebildet.


Klassifizierung von Netzplänen

Netzpläne können in folgende Klassen unterteilt werden:

  • Vorgangs-Pfeil-Netzplan (VPN)
  • Vorgangs-Knoten-Netzplan (VKN)
  • Ereignis-Knoten-Netzplan (EKN)


Vorgangs-Pfeil-Netzplan (VPN)

Bei dieser Strukturplanung gibt es folgende Regeln:

  • Folgen 2 Vorgänge unmittelbar aufeinander, so besteht zwischen ihnen eine Struktur ohne Verzweigung
  • Haben mehrere Vorgänger einen gemeinsamen Nachfolger, so liegt eine UND-Zusammenführung vor
  • Hat ein Vorgänger mehrere Nachfolger, so liegt eine UND-Verzweigung vor
  • Bei parallelen Vorgängen folgt einer UND-Verzweigung eine UND-Zusamenführung
  • Es können auch Schein-Vorgänge auftreten, welche die Dauer 0 haben und erforderlich sind, wenn verschiedene Vorgänge teilweise dieselben und teilweise unterschiedliche Vorgänger haben
  • Schleifen sind verboten
  • Vorgänge können gesplittet werden, um Überlappungen darstellen zu können
  • Ein VPN hat genau einen Start- und genau einen Zielknoten


Die Notation für einen VPN ist wie folgt:

PS - Projekt-Start

PZ - Projekt-Ziel

V - Vorgang

VV - Vorgänger des Vorgangs V

VN - Nachfolger des Vorgangs V


Deterministische und Stochastische Netzpläne

  • Deterministische Netzpläne - Hierbei wird für jeden Vorgang eine Dauer "Debil" als fest vorgegeben
  • Stochastische Netzpläne - Die Vorgangsdauer wird als Zufallsvariable betrachtet" TZW Robaki", die einer speziellen Verteilung genügt, der β-Verteilung

Vorgangs-Knoten-Netzplan (VKN)

Auch hier gibt es einige Regeln:

  • Wenn zwei Vorgänge aufeinanderfolgen, werden sie durch eine Anordnungsbeziehung verbunden
  • Haben mehrere Vorgänger einen gemeinsamen Nachfolger, so liegt eine UND-Zusammenführung vor
  • Hat ein Vorgang mehrere Nachfolger, so liegt eine UND-Verzweigung vor
  • Bei Parallelen Vorgängen folgt einer UND-Verzweigung eine UND-Zusammenführung
  • Bei VKN treten keine Scheinvorgänge auf
  • Schleifen sind verboten
  • Sich überlappende Vorgänge können durch Splitting dargestellt werden
  • Projektstart und Projektziel werden durch je einen Scheinknoten dargestellt


Vorteile der Netzplantechnik

Der Netzplan ist eine sehr verständliche, anschauliche und aussagekräftige Darstellung, weil der Netzplan einen ausgezeichneten Überblick über die Gesamtheit der Teilvorgänge eines Projekts und deren gegenseitigen Abhängigkeiten liefert. Durch die Abbildung des gesamten Projekts durch den Netzplan besteht die Notwendigkeit das gesamte Projekt zu durchdenken und sich nicht auf ein jeweiliges Teilprojekt zu versteifen. Der Netzplan an sich ist schnell erfassbar und daher auch leicht aktualisierbar und ermöglicht eine relativ exakte Vorhersage wichtiger Zwischentermine und des Endtermins. Weiterhin sind beim Netzplan zeitliche Engpässe (kritischer Pfad) und Pufferzeiten leicht erkennbar, da durch Projektmanagementsoftware zum Beispiel verschiedene Farben für Vorgänge des kritischen Pfads vergeben werden können.

Im Gegensatz zur Planung mit Balkendiagrammen kann in der Netzplantechnik zwischen Ablauf- und Terminplanung unterschieden werden. Durch die Möglichkeit der Darstellung der logischen Abhängigkeiten zwischen Vorgängen kann ein Ablaufplan unabhängig von terminlichen Annahmen entwickelt werden. Kurz zusammengefasst lässt sich sagen:

  • Netzpläne bilden eine verständliche, anschauliche und aussagekräftige Darstellung des gesamten Projektablaufes.
  • Sie sind schnell erfassbar und leicht aktualisierbar (sofern die Projektdaten elektronisch verarbeitet werden).
  • Kritische Vorgänge und Engpässe sind leicht erkennbar.
  • Bei ihrer Erstellung ist es notwendig, das gesamte Projekt zu durchdenken.
  • Ein Großteil der erhältlichen Projektmanagementsoftware unterstützt Netzplantechnik.


Nachteile der Netzplantechnik

  • Die grafische Darstellung, der Netzplan, wird häufig für größere Projekte eingesetzt, kleinere Projekte lassen sich in einer daraus abgeleiteten Darstellung, dem Balkenplan (Gantt-Diagramm) zum Teil etwas anwenderfreundlicher darstellen. Alternativen zur Netzplantechnik wären die eben genannte Gantt- oder die PLANNET-Technik (eine Weiterentwicklung der Gantt-Technik).
  • Wenn der Netzplan zu detailliert geplant ist, ist dies mit enorm hohem Kontrollaufwand gleichzusetzen, da bis zu 200 Teilvorgänge gleichzeitig up–to–date sein müssen, da sonst Verzerrungen in der Planung auftreten. Wenn der Netzplan zu abstrakt aufgebaut ist und Arbeitsschritte unverständlich beschrieben sind, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass dieser von den Anwendern nicht verstanden wird. Netzplanaktivitäten, die einem sehr starken Veränderungsprozess unterliegen, sind nicht kontrollfähig. Das führt zu häufig unrealistischen Plänen und dazu, dass der Planer den Dingen hinterherhinkt.