Pay as you drive
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Unter „Pay as you drive" (frei übersetzt: "Zahle, wie Du fährst", Abk. PAYD) versteht man in der Versicherungswirtschaft die Möglichkeit, jeden Kraftfahrer bezüglich seiner individuellen Fahrgewohnheiten einzustufen und zu bewerten. Möglich ist das mit dem Einsatz von heute schon gängigen Technologien. Dies soll zu einer gerechteren Prämienberechnung jedes einzelnen Kraftfahrzeug ‑ Versicherungsvertrages (Abk. Kfz - Vertrag) führen und ist gleichzeitig die Chance einer besseren Risikoeinschätzung für den Versicherer.
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Allgemeines
Die Produkte der Kfz-Versicherer in Deutschland werden an Hand des versicherten Leistungsumfangs unterschieden. Grundsätzlich benötigt ein in der Bundesrepublik zugelassenes Fahrzeug eine Kraftfahrthaftpflichtversicherung (Kfz-Haftpflicht, Abk. KH). Darüber hinaus gibt es weitere Absicherungsmöglichkeiten wie die Kraftfahrtteilversicherung WL 1 (Kfz-Teilkasko, Abk. KT) und die Kraftfahrtvoll- versicherung WL 2 (Kfz-Vollkasko, Abk. KV). Die versicherten Leistungen variieren zwischen den einzelnen Versicherungsunternehmen.
Prämienrelevante Merkmale heute
Unter prämienrelevante Merkmale sind bestimmte Eigenschaften oder Attribute eines KFZ oder Versicherungsnehmers zu verstehen. Diese Eigenschaften oder Attribute werden für die Berechnung des zu zahlenden Versicherungsbeitrags herangezogen. Welchen Anteil jedes Merkmal am Gesamtbeitrag hat, ist von Versicherung zu Versicherung unterschiedlich. Diese sehr komplexe Rechnung wird hier nicht näher betrachtet. Bei den "klassischen" Versicherungsprodukten unterscheidet man heute zwei Hauptgruppen von Merkmalen:
- statistische Merkmale
- subjektive Merkmale
Statistische Merkmale
Jedes in Deutschland zugelassene Fahrzeug wird je nach Ort der Zulassungsstelle einer bestimmten Regionalklasse WL 3 zugeordnet. Je Versicherungsumfang (KH, KT oder KV) gibt es unterschiedliche Regionalklassenbereiche. Diese Regionalklassen wurden auf Grund von Schadenstatistiken eingeführt. In der Regel ist eine Regionalklasse im Ballungszentrum höher als die auf dem Land. Für Würzburg (Stadt) gelten zurzeit folgende Klassen: KH 7, KT 1 und KV 3. Für Würzburg Land diese: KH 5, KT 1 und KV 3 (beides Stand 2007). Je höher die Einstufung in einer Klasse ist, desto mehr Prämie ist für die Versicherung zu zahlen. Also ist die Prämie für ein Fahrzeug im Zulassungsbezirk Würzburg höher als für ein Fahrzeug im Zulassungsbezirk Würzburg Land.
Weiterhin wird seit Mitte der 90er Jahre jedes Fahrzeug in sogenannte Typklassen WL 4 unterteilt. Mit Hilfe der 4-stelligen Herstellerschlüsselnummer (Abk. HSN) und der 3-stelligen Typschlüsselnummer (Abk. TSN) erfolgt die Zuordnung in die einzelnen Typklassen. Wie bei den Regionalklassen gibt es auch hier, je Versicherungsumfang, unterschiedliche Typklassenbereiche. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die verschiedenen Bereiche der Regional- und Typklassen, in Einser Schritten.
| Haftpflicht | Teilkasko | Vollkasko | |
| Regionalklassen | 01 - 12 | 01 - 16 | 01 - 09 |
| Typklassen | 10 - 25 | 10 - 40 | 10 - 40 |
Bei der Typklasse gilt auch: je höher die Einstufung, desto mehr ist für das Fahrzeug an Versicherungsprämie zu zahlen.
Subjektive Merkmale
Die subjektiven oder auch weichen Merkmale werden von den Versicherern nicht starr festgelegt. Ferner sind sie meistens in Gruppen oder Bereiche gegliedert. Mit Einführung dieser speziellen Attribute und Eigenschaften hat die Versicherungswirtschaft den Anfang gemacht, jedes versicherte Risiko individueller zu gestallten. Dabei werden unter dem Risiko der Mensch und sein Fahrzeug verstanden.
Als ein sehr starkes subjektives Merkmal zur Prämienberechnung werden die schadenfrei gefahrenen Jahre gezählt, besser bekannt als Schadenfreiheitsrabatt WL 6 (Abk. SFR), Schadenfreiheitsklasse oder Bonus/Malus-System. Generell gehen die Einstufungen im SFR von "M" (Malus) für einen Vertrag mit hohen Schadenzahlungen über "0" (Null), für einen neuen Vertrag, bis meist über "20" schadenfrei gefahrene Jahre. Innerhalb dieser Stufen, immer in einjahres Schritten, gibt es keine einheitliche Klassifizierung. Jedes Versicherungs- unternehmen ist frei in der Gestaltung.
Nachfolgend weitere der gängigsten Merkmale:
- Jahresfahrleistung, das zweit wichtigste subjektive Merkmal
- wie viel Kilometer wird mit dem KFZ pro Jahr gefahren
- meist unterteilt in Kilometerbereiche (0 - 6000 km, 6000 - 12000 km usw.)
- Berufsgruppen
- öffentlicher Dienst, Beamte
- Landwirte
- Sonstige
- Fahrer
- wer fährt alles mit dem Fahrzeug
- Versicherungsnehmer
- Ehegattin(e) / Lebensgefährtin(e)
- Kinder
- Sonstige
- Erstfahrzeug, Zweitfahrzeug, Drittfahrzeug usw.
- Garage vorhanden ja / nein
- Alter der Fahrer
- Alter des Fahrzeugs
- Erstzulassung des Fahrzeugs
- erste Zulassung des Fahrzeugs auf den Versicherungsnehmer
- Wohneigentum vom Versicherungsnehmer vorhanden ja / nein
Einen guten Überblick über die verschiedenen prämienrelevanten Tarifmerkmale bietet auch der GDV WL 5
Prämienrelevante Merkmale bei "Pay as you drive"
Wie oben beschrieben, hat die Individualisierung der Kfz-Versicherung bereits begonnen und sich in den letzten 10 Jahren weiterentwickelt. Neueste Ausprägung ist "Pay as you drive". Mit diesen neuen Produkten soll noch genauer auf die Bedürfnisse beziehungsweise auf die Fahrgewohnheiten der Versicherungsnehmer eingegangen werden. Über die schon genannten Tarifmerkmale hinaus kommen jetzt noch weitere subjektive Daten zur Risikoberechnung hinzu.
Fahrverhaltensbezogene Merkmale
- Abfahrtszeit
- Ankunftszeit
- Dauer der Fahrzeit
- Unterbrechungen der Fahrtstrecke
- Länge von gefahrenen Strecken
- Art der gefahrenen Strecken
- Beschleunigungsverhalten des Fahrers
- Bremsverhalten des Fahrers
- Messung des Abstands zum Vordermann
- Messung der Geschwindigkeit während den Fahrten
Assistance-/Schadenbezogene Merkmale
- Anschnallstatus
- Funktion des Airbags
- Unfalldaten
- Aufprallenergie
- Aufprallgeschwindigkeit
- Kontrolle des Reifendrucks
- Status über den Zustand des Fahrzeugs
Verwendete Technologien bei "Pay as you drive"
Um eine Erfassung und Übertragung solch individueller Daten zu ermöglichen, bedienen sich die Kfz-Versicherer heute schon verfügbarer Technik und IT-Lösungen. Zur Fahrzeugortung und -verfolgung wird das GPS - Global Positioning System WL 7 eingesetzt. GPS ist durch die mittlerweile tragbaren Navigationsgeräte eine erschwingliche Technik.
Grundsätzlich wird in sogenannten Online- und Offlineszenarien unterscheiden. Jedes Fahrzeug wird, unabhängig von On- oder Offlineszenario, mit einer "On Board Unit" (Abk. OBU) ausgestattet. In dieser Box, unter anderem auch "Black Box" genannt, werden alle Parameter als Rohdaten erfasst.
Onlineszenario
Alle gesammelten Daten werden zeitnah, also online, via GPRS - General Packet Radio Service an einen zentralen Server geschickt. GPRS ist ein Datendienst für Mobilfunknetze. Durch diesen Funkübertragungsstandard können schon vorhandene Ressourcen der Mobilfunkbetreiber genutzt werden.
Die zentrale Sammelstelle der Daten nimmt anschließend die Datenaufbereitung vor, bevor diese an die Versicherer geliefert werden. Die Verarbeitung und der Datentransfer geschieht meist durch den Technologielieferanten.WL 12 - 17
Die nach bestimmten Vorgaben bereitgestellten Daten werden nun durch das Versicherungsunternehmen verarbeitet. Der Versicherer stellt daraus dem Kunden in gewissen Abständen (monatlich, vierteljährlich usw.) eine individuelle Prämienrechnung zusammen.
Offlineszenario
Abweichend von der zuvor genannten Datenübermittlung mittels GPRS, dient bei der Offlinevariante die OBU als Datenrekorder. Während der Fahrt werden alle benötigten Merkmale erfasst und auf dem Datenrekorder gespeichert. Mittels USB-Stick werden die Daten auf dem Kunden-PC ausgelesen und an den zentralen Server geschickt. Dies geschieht mittels einer speziellen Software. Auch wäre ein Versand des USB-Stick per Post an die zentrale Datensammelstelle möglich. Die Aufbereitung und der Versand der Daten an das Versicherungs- unternehmen geschieht wie in der Onlinevariante.
Egal welche Technologievariante der Kunde wählt er kann jederzeit seine erfassten Daten mittels PC abfragen. Dies geschieht über einen personalisierten Login auf das Kundenportal des Versicherungsunternehmens.
Literatur
01 - Versicherungswirtschaft Heft 07 / 61. Jahrgang / 1. April 2006 / Seite 576: "Pay as you drive oder Mileage Monitoring?"
02 - Versicherungswirtschaft Heft 14 / 61. Jahrgang / 15. Juli 2006 / Seite 1153: "Pay-as-you-drive - Top oder Flop?"
03 - Versicherungswirtschaft Heft 20 / 61. Jahrgang / 15. Oktober 2006 / Seite 1675: "Großbritannien: Kfz-Versicherung nach Bedarf"
Quellen
Recherche zwischen 06.11. und 07.12.2007
02 - PTV Planung Transport Verkehr AG
04 - heise online, Artikel: "Pay as you drive: Die individuell berechnete Versicherungsprämie"
05 - heise online, Artikel: ""Pay as you drive" geht in die Praxiserprobung"
06 - sueddeutsche.de, Artikel: "Der gläserne Pkw"
07 - CIO.de, Artikel: "Wer rast, zahlt mehr"
08 - all4finance.de, Artikel: "Kilometergenaue Kfz-Prämie via Satellit "
09 - Offizielle Website des Verlag Versicherungswirtschaft
Weblinks (WL)
Recherche zwischen 06.11. und 07.12.2007
Allgemein
01 - Info über Auto-Teilkasko
02 - Info über Auto-Vollkasko
03 - Offizielle Website des GDV, Regionalklassenabfrage
04 - Offizielle Website des GDV, Typklassenverzeichnis
05 - Offizielle Website des GDV, Überblick über Tarifmerkmale
06 - Offizielle Website Versicherungsnetz.de, Schadenfreiheitsrabatt
07 - Offizielle Website "The Global Position System"
"Pay as you drive" - Produktanbieter
08 - Offizielle Website der Norwich Union Versicherung, Produkt "Pay as you drive"TM
09 - Offizielle Website der WGV Versicherungen, Produkt "young & safe" (Pilotprojekt)
10 - Offizielle Website der DBV-winterthur, Produkt "Auto-Profi"
11 - Offizielle Website der UNIQA Versicherung, Produkt "SafeLine"
"Pay as you drive" - Technologielieferanten
12 - Offizielle Website von T-Systems, Produkt "Trip Sensitive Insurance"
13 - Offizielle Website der Intelligent Mechatronic Systems Inc., Produkt "DriveSync"
14 - Offizielle Website des Produktes "DriveSync"
16 - Offizielle Website von HP, Pilotprojekt "young & safe" der WGV Versicherungen
Autor:
Marcus Dax
